Teuerungen spürbar

Hausbau in der Krise: Billiger wird es nicht mehr

„Ich bin seit 27 Jahren in der Baubranche, aber eine Situation wie jetzt habe ich noch nie erlebt“, sagt Robert Oberleitner, Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaft Neue Heimat. Enorme Preissteigerungen in Kombination mit den massiven Verzögerungen der Lieferketten sorgen für steigende Preise. Die Ursachen sind klar: Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine sorgen für Teuerungen in allen Bereichen des Lebens.

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Das bereitet nicht nur den privaten Häuslbauern Kopfzerbrechen, sondern auch den Gemeinnützigen. „Man muss sich etwas überlegen, denn was wir nicht wollen, ist, dass die Kosten auf unsere Mieter abgewälzt werden, also die Mieten steigen“, stellt Oberleitner klar.

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Die Bauwirtschaft ist seit zwei Jahren in einer Boomphase. Man hat volle Auftragsbücher, kann sich sozusagen die Kunden aussuchen. Diese sollten aber nichts überstürzen und bei der Auswahl der Anbieter einen kühlen Kopf bewahren.

Michael Klien, Wirtschaftsexperte am WIFO in Wien

Noch keine Projekte zurückgestellt
Deshalb gab es zuletzt auch einen Runden Tisch mit LH-Vize und Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner. „Es muss verhindert werden, dass sich die Baukostensteigerungen ausschließlich zu Lasten der Mieterinnen und Mieter auswirken“, sagt Haimbuchner. „In der Bauwirtschaft gab es zuletzt Steigerungen von rund 15 Prozent“, sagt Oberleitner in diesem Zusammenhang. Noch habe man keine Projekte zurückstellen müssen, man werde aber die Entwicklung sehr genau beobachten.

Bauen, warten oder das Projekt aufgeben?
Auch viele private Häuslbauer stehen derzeit vor schwierigen Entscheidungen. Doch Experten haben dazu eine klare Meinung. „Es wird nicht mehr billiger werden. Das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte gezeigt. Zu warten macht also keinen Sinn“, sagt Wirtschaftsexperte Michael Klien vom WIFO, dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung.

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Wir können uns nicht beklagen, das Geschäft läuft gut, wir haben sehr viele Aufträge. Von Lieferengpässen sind wir auch noch nicht betroffen, weil wir nach den Erfahrungen des Vorjahres (Anm.: Corona-Krise) rechtzeitig reagiert haben.

Christian Wimberger, Geschäftsführer Wimberger-Haus

Preise hoch, Ressourcen knapp
Eine Einschätzung, die er mit Jochen Güntner teilt. Der ist Wirtschafts-Professor an der Kepler-Uni in Linz. „Natürlich ist es eine schwierige individuelle Entscheidung, bei der es viele Faktoren abzuwägen gibt“, sagt Güntner. Zwar seien in vielen Bereichen, wie Holz, Wärmepumpen und Dämmmaterialien auf Rohölbasis die Preise aktuell sehr hoch und die Ressourcen knapp, aber andererseits sei das Zinsniveau gerade sehr niedrig. „Das heißt nichts anderes, als dass die niedrigen Zinsen sozusagen die hohe Inflation auffressen“, beschreibt Güntner.

Volle Auftragsbücher
Eine Zurückhaltung bei den Häuslbauern und vor allem bei all jenen, die ihre Immobilien sanieren wollen, sieht Christian Wimberger nicht. Seine Firma baut im Jahr rund 700 Häuser, die Auftragsbücher sind voll. Auch er ist sich sicher: „Die Preise werden nicht fallen.“ Er sieht aber Möglichkeiten, sich ein Haus in der aktuellen Situation zu finanzieren, vor allem, wenn man gewillt ist, auf den einen oder anderen Luxus zu verzichten. „Man kann den Pool ja auch später bauen. Oder entscheidet sich statt für eine Doppelgarage für ein Carport“, so Wimberger.

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Den perfekten Zeitpunkt für einen Hausbau gibt es nie. Zudem gab es schon immer Spitzen. Das heißt, die Situation wird sich sicher wieder etwas beruhigen. In ein bis zwei Jahren wird auch die Inflation wieder im normalen Rahmen sein.

Jochen Güntner, VWL-Professor an der JKU in Linz

Neben den Baukosten kommen auf die Bauherren aber noch weitere Hürden hinzu. Die Vergabe von Immo-Kredit wird ab 1. Juli verschärft. Allerdings sind die neuen Regeln noch etwas unscharf, kritisiert die Obfrau der Sparte Banken der WKOÖ, Michaela Keplinger-Mitterlehner: „Es ist noch nicht klar, was als Eigenmittel gilt. Derzeit etwa würde auch der Grund, auf dem gebaut wird, nicht dazuzählen.“ Ein Umstand, den übrigens auch Robert Oberleitner für problematisch hält.

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