17.06.2011 10:53 |

Unwürdiges Ende

Michael Ballack verweigert sein Abschiedsspiel

Unter die eigentlich schon vor der WM in Südafrika zu Ende gegangene Ära Michael Ballack im deutschen Nationalteam scheint nun ein unwürdiger offizieller Schlusspunkt gesetzt zu werden. Der langjährige DFB-Kapitän, der am Donnerstag von Bundestrainer Jogi Löw endgültig aussortiert wurde, verweigert laut "Bild" sein Abschiedsspiel.

Um dem 34-jährigen Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen nach langem Wirrwarr doch noch einen halbwegs würdigen Abschied zu ermöglichen, hätte Ballack am 10. August im Freundschaftsspiel gegen Brasilien ein letztes Mal ins deutsche Trikot schlüpfen sollen. Offiziell schweigt Ballack zwar noch, die "Bild" will aber wissen, dass er dieses "Gnadenbrot" nicht annehmen wird. Dazu wird DFB-Präsident Theo Zwanziger zitiert: "Wir würden ihm gerne einen würdigen Abschiedsrahmen geben. Aber dazu gehören immer zwei."

Interne Entscheidung schon im März
Das deutsche Boulevardblatt schreibt weiter, dass der DFB Ballacks Ende intern bereits im März beschlossen hat. Damit wollte man Ballack angeblich die Chance geben, selbst den Rücktritt zu verkünden. Als dieser nicht aktiv wurde, ging Löw am Donnerstag, unmittelbar vor seinem Urlaubsantritt, an die Öffentlichkeit.

Matthäus und Beckenbauer raten zum Spiel
Lothar Matthäus, mit 150 Spielen der DFB-Rekordinternationale, meinte: "Ich an seiner Stelle würde das Abschiedsspiel spielen, denn er würde mit Standing Ovations verabschiedet." Der frühere Rapid- und Salzburg-Trainer kritisierte aber Löws Entscheidung, die man früher hätte treffen können. Auch Franz Beckenbauer legt Ballack die Partie an Herz. "Ich kann ihm nur empfehlen, das Angebot anzunehmen und sich gegen Brasilien mit einem tollen Spiel zu verabschieden", ließ Bayerns Ehrenpräsident dem früheren Münchner Kapitän ausrichten.

Löw hatte auch schon vor dem EM-Qualifikationsspiel Anfang Juni gegen Österreich angekündigt, den Verjüngungsprozess in der DFB-Mannschaft weiter voranzutreiben. Nun sagte er: "Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt sind und gute Perspektiven besitzen. Nachdem ich diese Thematik mit Michael Ballack zuletzt bei unserem Treffen Ende März 2011 in aller Offenheit erörtert habe und wir danach mehrfach telefoniert haben, ist nun vor dem Start in die EM-Saison der Zeitpunkt gekommen, hier klar Position zu beziehen. In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat. Im Interesse aller war daher eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht."

Lobende Worte zum Abschied
Gleichzeitig machte der Bundestrainer deutlich: "Michael Ballack war ein Jahrzehnt ein sehr wichtiger Führungsspieler der Nationalmannschaft und hat enormen Anteil an den großen Erfolgen des Teams seit der WM 2002. Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt, was ich bei der WM 2006 oder der EURO 2008 aus nächster Nähe erleben konnte. Seine spielerische und kämpferische Klasse sprechen ebenso für ihn wie seine Torgefährlichkeit und seine Nervenstärke gerade in wichtigen Spielen."

Der Mittelfeldspieler, der Österreich bei der Heim-EURO 2008 mit einem Freistoßtor aus dem Turnier schoss, nun aber im EM-Qualifikationsduell am 2. September in Gelsenkirchen fehlen wird, hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst. Seitdem hat der Leverkusen-Kicker kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben.

Ballack bleibt damit ein ganz großer Triumph ebenso versagt wie ein ruhmreicher Abschied. Das Finale der WM 2002 - in dem Ballack wegen einer Sperre fehlte - ging ebenso verloren wie jenes der EM 2008 und jene in der Champions League 2002 mit Bayer Leverkusen und 2008 mit Chelsea.

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