Im Land des Welt- und Europameisters musste sich also die Hälfte der 42 Profi-Vereine für zahlungsunfähig erklären. Der jüngste Fall ist der des sechsfachen Cupsiegers Real Saragossa. Zuvor hatten bereits Traditions-Clubs wie Betis Sevilla, Mallorca, Malaga, Levante, Real Sociedad oder Sporting Gijon den Konkursrichter anrufen müssen.
In keiner anderen Profi-Liga in Europa gibt es eine solche Pleite-Serie. Alfredo Relano, Chefredakteur des Sportblattes "As", witzelt: "Unser Fußball hält sich eisern an die Regel, jedes Jahr zehn Prozent mehr Geld auszugeben, als er einnimmt." Einige Vereine wie Malaga oder Getafe legten aufgrund der finanziellen Nöte ihr Schicksal in die Hände von Ölscheichs.
Kein Zwangsabstieg durch Konkursverfahren
Für die anderen Clubs, die keine reichen Geldgeber fanden, erwies sich das Konkursverfahren als ein probates Mittel. Der Konkurs hat nämlich einen großen Vorteil, er schützt vor einem Zwangsabstieg. Nach dem Reglement des spanischen Verbandes (RFEF) muss ein Verein, der am Stichtag des 30. Juni mit der Zahlung der Spielergehälter in Verzug ist, normalerweise absteigen. Diese Regel gilt jedoch nicht für Clubs, die sich in einem Konkursverfahren befinden. Nach einem Gerichtsurteil haben die Konkursgesetze Vorrang vor den RFEF-Regeln.
Die Profi-Liga (LFP) und die Spielergewerkschaft (AFE) sehen darin eine grobe Benachteiligung seriös wirtschaftender Vereine. Sparsame Clubs steigen ab, weil sie sich keine teuren Spieler leisten, dagegen erhalten andere Vereine die Klasse, indem sie mehr Geld ausgeben, als sie haben. Die AFE drohte mit einem Streik und gab die Devise aus: "Die Liga wird nicht wie geplant am 20. August in die neue Saison starten, wenn bis dahin die Gehälter nicht gezahlt sind."
Fast 300 Spieler wurden nicht vertragsgemäß bezahlt
Nach Angaben der Zeitung "ABC" haben fast 300 Profis der ersten und zweiten Liga ihre vertraglich vereinbarten Gehälter nicht vollständig erhalten. Der Stürmer David Aganzo von Rayo Vallecano berichtete: "Bei uns mussten einige Spieler ihre Autos verkaufen, um über die Runden zu kommen. Andere haben kein Geld fürs Benzin." Dennoch schaffte der Club aus dem Arbeiterviertel von Madrid den Aufstieg in die Primera Division.
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