Pommers Feierabend

Positiv denken, statt positiv sein

Pommer am Abend
04.04.2022 15:18

Einen schönen Montagabend.

Die Pandemie gemeistert, Licht am Ende des Tunnels, Corona ist vorbei. Wie schon im Frühjahr des Vorjahres sind auch heuer wieder Marktschreier unterwegs, die das Ende der Pandemie prophezeien. Mögen sie recht haben - positiv denken, statt positiv sein, lautet die Devise. Wobei ich auf das Maskentragen in den öffentlichen Verkehrsmitteln auch nach dem Covid-Schlusspfiff so schnell nicht verzichten werde. FFP2 in Kombination mit dem Pathologentrick (Tigerbalsam unter der Nase) verschönert mir jede Fahrt mit der Wiener U6 an heißen Tagen. Im vergangenen Sommer war es für mich, als hätte Gott oder die Natur oder beide niemals die Achselhöhle erfunden. Vor allem von Juni bis August riecht die braune Linie prinzipiell nach Achselfalten, die ein hartes Wochenende hatten, und das jeden Tag. Und voriges Jahr: nichts. Die Maske als Achselhöhlenschutzschild. Es ist nicht alles schlecht.

Und jetzt sei Corona vorbei, meinen einige. Nur wenige Tage nach dem Ändern der Teststrategie sinken die Zahlen auf 12.305 Neuinfektionen heute. Ich wage eine mutige Prognose: Wenn wir die Gratistests noch weiter reduzieren (3 PCR-, 3 Antigentests), dann werden die Zahlen noch weiter sinken. Nun steigt der Druck, die Ersten fordern: Weg mit allen Maßnahmen, die Zahlen sinken ja wieder. Wolfgang Mückstein wollte zu Beginn seiner kurzen Amtszeit als Gesundheitsminister „die Fehler des Vorjahres nicht wiederholen“, wurde dann von Johannes Rauch abgelöst, der „gemachte Fehler nicht wiederholen will“. Es ist ein bisschen wie bei den Neujahrsvorsätzen - mehr Obst essen, weniger Alkohol trinken, und dann Williamsbirne kaufen. Fairerweise muss man sagen: Es kommen auch neue Fehler hinzu.

Trotz neuer Kampagne ist die Impfung so beliebt wie es ein Smoothie aus tausendjährigen Eiern wäre. Gestern wurden 105 Personen erstimmunisiert, österreichweit. Wo sind die Zeiten hin, in denen sich Bürgermeister mit 100-Jährigen um den Stich geprügelt haben? Die neue Kampagne der Bundesregierung zeigt glückliche, gesunde Menschen, die sich umarmen, abbusseln, miteinander sporteln und dabei glücklich und gesund bleiben. „Beim ersten Date schmusen? Geht sicher“, heißt es. „Gemeinsam geimpft.“ Nur ist das leider ein Blödsinn. Die Impfung schützt nicht alle vor einer Ansteckung, sondern die meisten vor einem schweren Verlauf. Wenn das erste Date schon im Bett endet, dann soll es zumindest kein Intensivbett sein. Nicht mehr, nicht weniger.

Ein weiteres Zeichen, dass sich die Pandemie womöglich dem Ende zuneigt: Die Streaming-Plattformen wie Netflix & Co. rechnen mit Einbrüchen, eine Abwanderungsrate von bis zu 30 Prozent wird befürchtet. Die Menschen haben wieder die Gelegenheit zu einem echten Leben. Gott sei Dank, muss man sagen. Mein absoluter Tiefpunkt: Im Lockdown auf Amazon Prime einen Film über Menschen im Lockdown schauen. Es war kurz vor dem Abspann nicht mehr klar, ob ich ihnen zusehe, oder sie mir. Doppelte Zeitverschwendung.

Die Pandemie gemeistert, Licht am Ende des Tunnels, Corona ist vorbei. Aber dann kommt wieder der Herbst.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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