Pandemie-Problem

Seit Corona auch drei Millionen Tuberkulose-Tote

Ausland
21.03.2022 12:44

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) warnt, dass durch die Corona-Pandmie die Erfolge im globalne Kampf gegen Tuberkulose zunichtegemacht bzw. drei Jahre zurückgeworfen worden seien. Traurige Bilanz: Während Covid-19 bisher rund sechs Millionen Menschenleben gefordert hat, sind in derselben Zeit auch rund drei Millionen an der durch Bakterien verursachten Infektion gestorben.

Seit Ausbruch der Pandemie werden zwar weltweit bedeutend weniger Fälle vonTuberkulose diagnostiziert - aber nicht, weil es nun tatsächlich weniger Erkrankte gäbe. Die Menschen suchen nur seltener Ärztinnen oder Ärzte auf - aufgrund von Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen oder der Sorge, sich in Gesundheitseinrichtungen mit SARS-CoV-2 anzustecken. Das werde nicht ohne Folgen bleiben, betonen die Experten der ÖGP, denn die Heilungschancen stehen nur bei rechtzeitiger und kontinuierlicher Therapie sehr gut.

Darüber hinaus werden Familienmitglieder und andere enge Kontakte ebenfalls angesteckt. Die Infektionsketten werden immer länger und die Gefahr, dass sich multiresistente Formen derTuberkuloseausbreiten, gegen die immer weniger Medikamente wirksam sind, wird größer. Die ÖGP sprach in einer Aussendung von einer bedrohlichen Entwicklung, daTuberkuloseals „Killer“ unter den Infektionskrankheiten gilt. So liege der weltweite Therapieerfolg bei einer multiresistenten Tuberkulose bei nur rund 50 Prozent.

So sieht ein Tuberkulose-Erreger unter dem Mikroskop aus. (Bild: Elektromikroskopische Aufnahme)
So sieht ein Tuberkulose-Erreger unter dem Mikroskop aus.

„Ca. 1,3 Mio. Menschen wissen nichts von Erkrankung“
2019 sind weltweit von den geschätzten zehn Millionen TB-Neuinfektionen 7,1 Millionen diagnostiziert worden. 2020, also im Jahr eins der Corona-Pandemie, wurden nur 5,8 Millionen neu diagnostiziert. „Das sind um 18 Prozent weniger und das bedeutet, dass zusätzlich circa 1,3 Millionen, ohne es zu wissen, an Tuberkulose erkrankt sind und die Erreger weitergeben“, erläuterte Oberarzt Helmut Salzer vom Kepler Universitätsklinikum in Linz und Leiter des Arbeitskreises Infektiologie &Tuberkulose der ÖGP. Eine ähnliche Abnahme an TB-Diagnosen sieht man auch in Österreich. Wurden vor der Pandemie 500 bis 600 Neudiagnosen pro Jahr gestellt, waren es 2020 nur 388 TB-Fälle, die in das epidemiologische Meldesystem EMS eingemeldet wurden (4,4 je 100.000 Einwohner).

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