10.02.2022 12:55 |

„Tote durch Öffnungen“

Riesenwirbel um neue Warnung des „Angstministers“

Eine Äußerung von Deutschlands Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu einer möglicherweise stark steigenden Zahl an Corona-Toten im Falle einer Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen hat erhebliche Kritik hervorgerufen. Ethikratsmitglied Stephan Rixen sagte, dass „Bedrohungsszenarien ins Blaue hinein Grundrechtsbeschränkungen nicht rechtfertigen“ könnten. Hamburgs CDU-Vorsitzender Christoph Ploß ging noch weiter und nannte Lauterbach in der „Bild“ einen „Angstminister“.

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Der Angegriffene selbst ließ die Vorwürfe zurückweisen. „Die Modellierungen des RKI zeigen deutlich, dass rasant steigende Inzidenzen auch die Zahl der täglich zu beklagenden Todesfälle ansteigen lassen“, erklärte ein Sprecher des Ministers am Donnerstag. Dies sei die Grundlage für die Aussage Lauterbachs gewesen, hieß es.

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Ich mag mir einfach gar nicht vorstellen, dass wir in einer Situation wären, so spät in der Pandemie, wo wir gute Impfungen haben, wo wir dann 400, 500 Tote am Tag hätten.

Karl Lauterbach, Deutschlands Gesundheitsminister

Der Minister hatte am Dienstagabend im ZDF erneut eindringlich vor verfrühten Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen gewarnt. Wenn Deutschland den Weg Israels mit wegfallenden Maßnahmen gehen würde, käme Deutschland auf eine höhere Sterbequote. „Ich mag mir einfach gar nicht vorstellen, dass wir in einer Situation wären, so spät in der Pandemie, wo wir gute Impfungen haben, wo wir dann 400, 500 Tote am Tag hätten“, sagte der Gesundheitsminister.

Keine Angaben zu den Berechnungen des Ministers
Am Dienstag hatte das Robert-Koch-Institut 177 Tote gemeldet, am Mittwoch waren es 272 und am Donnerstag 238. Auf Nachfrage von „ZDF heute“ wollten Bundesgesundheitsministerium und Robert-Koch-Institut am Mittwoch keine Angaben machen, auf welchen exakten Daten und Annahmen die Berechnungen des Ministers basieren.

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Wenn nicht klar ist, wie die Zahl der Menschen, die wahrscheinlich wegen Lockerungen versterben, zustande gekommen ist, dann ist auch nicht klar, wieso Freiheitsbeschränkungen weiterhin geboten sein sollen.

Ethikratsmitglied und Rechtsexperte Stephan Rixen

Rechtsexperte Rixen erklärte dagegen gegenüber dem deutschen Medium: „Grundrechtseingriffe müssen sich auf nachvollziehbare Prognosen zur weiteren Entwicklung der Pandemie stützen. Wenn nicht klar ist, wie die Zahl der Menschen, die wahrscheinlich wegen Lockerungen versterben, zustande gekommen ist, dann ist auch nicht klar, wieso Freiheitsbeschränkungen weiterhin geboten sein sollen.“

Inzidenz müsste wohl drastisch ansteigen
Thorsten Lehr, Leiter des Covid-19-Simulators an der Universität des Saarlands, erklärte gegenüber „ZDF heute“, wann solch eine hohe Todeszahl zu erwarten wäre: „Nach unseren Simulationen sind 400 bis 500 Tote pro Tag im Sieben-Tage-Schnitt möglich, falls die Inzidenzen im Peak über 3500 bis 4000 liegen.“ Aktuell liegt die Inzidenz laut RKI bei rund 1450, Tendenz steigend.

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