Tierschutz-Novelle

Nicht nur reden: JETZT handeln!

Tierecke
06.02.2022 07:00

Die ersten Entwürfe zur geplanten Tierschutz-Novelle sind alles andere als erfreulich. Unsere Politiker agieren zaghaft, aber auch wir Konsumenten sind gefordert, wenn wir mehr Tierwohl haben wollen. 

„Es sind doch nur Arbeitsunterlagen, da ist noch nichts in Stein gemeißelt“, so in etwa lauten die Aussagen, konfrontiert man die Ministerien zu den Entwürfen zur Tierschutznovelle. Zum Glück ist noch nichts besiegelt, denn die Entwürfe versprechen keine markanten Veränderungen und damit nicht viel Gutes in punkto Tierschutz. So vieles haben sich Tierfreunde und NGOs erhofft - gerade jetzt, wo doch auch die Grünen mit Minister Mückstein zu den großen „Playern“ zählen.

Zaghafte Politik
Aber es macht den Anschein, als wären Tiere und deren Schutz für den Arzt und Politiker nicht ganz so wichtig, oder würden in der Flut von Corona Entscheidungen einfach untergehen. Aber genau das darf nicht passieren. Eva Rosenberg, Direktorin von Vier Pfoten: „Der erste Entwurf zur Novelle der Tierhaltungsverordnung kann so nicht ernst gemeint sein!“ und sie appelliert an die Koalitionspartner, sich den Landwirtschaftsminister in Deutschland als Vorbild zu nehmen, der als „oberster Tierschützer“ des Landes agiert.

Elisabeth Köstinger ist unter Druck
Zum einen ist die Ministerin für die Bauern zuständig und muss dafür sorgen, dass diese im immer stärker werdenden internationalen Preiskampf bestehen können. Zum anderen ist sie aber auch für die Gastronomie verantwortlich, und gerade da besteht dringender Handlungsbedarf.

Denn ein Großteil des bei unseren Wirten verwendeten Frischfleisches kommt nicht aus Österreich! Konsumenten fordern eine verpflichtende Herkunftskennzeichen - doch die Ministerin blockiert. Dabei wäre dies ein wichtiger Schritt um den Wünschen der Österreicher nachzukommen und gleichzeitig unsere Bauern zu unterstützen.

Tierwohl kostet Geld und gibt es nicht zum Billigstpreis
Bei dieser Novelle geht es darum langfristig zu denken und zu handeln. Zum Wohle der Tiere und Menschen, aber auch dass die Wertschöpfung im eigenen Land bleibt. Eine Idee wäre tierische Produkte mit einem „Haltungskompass“ wie vor einigen Tagen auch vom Diskonter „Lidl“ gefordert, auszuzeichnen.

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Das ist der reinste Hohn für Tier und Landwirt! Mit kosmetischen Veränderungen wird die österreichische Landwirtschaft geradewegs in die Sackgasse geführt. Mein Appell an die beiden Minister: Ziehen Sie die Notbremse!

Eva Persy, Tierschutzombudsfrau Wien

Dann könnte jeder Konsument sofort erkennen, wie das Tier gelebt und gehalten wurde. Wichtig ist aber auch, dass wir alle bewusster einkaufen. Denn bessere Haltungsbedingungen für Tiere zu fordern, aber gleichzeitig nur „Billigfleisch“ zu kaufen ist ein Widerspruch. Tierwohl gibt es nicht zu Dumpingpreisen! Es ist Zeit nicht nur von Tierschutz zu reden, sondern zu handeln!

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Der Entwurf würde schlechte Standards für die ’Tiere auf Jahre einzementieren. Weder Mückstein noch Köstinger können weiterhin die Augen vor der Tatsache verschließen, dass die Menschen kein Tierleid auf ihrem Teller wollen.

Eva Rosenberg, Vier Pfoten

Handel und Zucht von Haustieren
Zwar wird das Thema Qualzucht angeführt (darunter versteht man bewusste gezüchtete Merkmale unter welchen die Tiere leiden und erkranken) es fehlen jedoch die unbedingt erforderlichen Maßnahmen dazu:

  • Eine generelle Bewilligungspflicht für jegliche Zucht von Heimtieren
  • Rassestandards und Zuchtprogramme müssen künftig von einer unabhängigen Expertenkommission evaluiert und angepasst werden.
  • Auch Käufer die Tiere aus illegalen Quellen erwerben sollten künftig mit empfindlichen Strafen belegt werden.
  • Bessere Kontrolle bei Einfuhr von Tieren.

Rinder immer noch in Ketten
Es ist ein Armutszeugnis, dass in Österreich noch immer Rinder permanent angekettet leben müssen. Und zwar 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr! Die wenigen Schritte die sie setzen, sind oft jene zum Schlachthof. Das groteske: Diese so genannte permanente Anbindehaltung ist seit 2005 verboten! Allerdings gibt es Ausnahmeregelungen, die es noch immer ermöglichen, dass mehr als 10.000 Rinder unter diesen fürchterlichen Umständen leben müssen. Damit muss Schluss sein - und zwar sofort! 17 Jahre „Übergangsfrist“ sind mehr als genug. "Sprengt die Ketten fordern auch unsere Leser.

Kaum Verbesserung bei Schweinen
Die Haltung von Schweinen steht am stärksten in der Kritik, hier werden die meisten Verbesserungen gefordert:

  • Der Entwurf sieht kaum effektive Verbesserungen bei den Böden vor.
  • Stroh oder andere Einstreu wurde wieder nicht berücksichtigt.
  • Die neue Vorschrift bezüglich vergrößertes Platzangebot bringt für die Tiere kaum eine Verbesserunge - nur lediglich etwa 0,1 m2 pro Tier.
  • Wieder zu wenig Liegefläche für jedes einzelne Tier.
  • Zum Lachen wenn es nicht traurig wäre.: Mindeststandards sollen in Expertengruppen bis 2040! erarbeitet werden.

Der Konsument entscheidet
Mit jedem Griff ins Regal entscheiden wir Konsumenten wie ein Tier gehalten wird! Wenn wir mehr Tierwohl fordern, dann müssen wir uns auch dessen bewusst sein, dass es mehr kostet. Den „schwarzen Peter“ den Bauern zuzuschieben ist mehr als unfair. Wir geben mit unserem Einkauf jeden Tag einen Produktionsauftrag: Wer bereit ist für Bio etwas tiefer in die Tasche zu greifen, der weiß, dass er damit auch Tierwohl unterstützt. Bewusst den einen Tag oder anderen auf Fleisch verzichten und dafür sich bessere Qualität leisten! Noch nie war Fleisch so billig wie jetzt. (Gemessen an der Kaufkraft)

Was liegt in der Gastro am Teller?
Laut Branchenschätzung werden vier Millionen Menschen täglich außer Haus verpflegt. 20 Prozent der Bevölkerung in der Gemeinschaftsverpflegung - von der Firmenkantine bis hin zum Krankenhaus. Stolze 25 Prozent essen in der Gastronomie! Das sind unglaubliche Mengen, die hier verkocht und verzehrt werden. Verständlicherweise fordern Konsumenten das Recht ein zu erfahren woher ihr Schnitzel am Teller kommt Jede Flasche Wein, jeder Pullover hat diesen Nachweis - Essen ist ein Grundbedürfnis! Eine Kennzeichnungspflicht muss gesetzlich verankert werden - zum Schutz der Konsumenten, Bauern und Tiere.

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