Thema Tiertransporte

Das EU-Parlament stimmt über Leid auf Rädern ab

Am 20. Jänner geht es ans Eingemachte: Das Europäische Parlament wird über verschiedene Empfehlungen an die Kommission zum Thema Tiertransporte abstimmen. Daraus soll dann eine neue Verordnung entstehen - es handelt sich also um eine große Chance, einige der teils großen Missstände in punkto Tierwohl zumindest zu verkleinern. Es geht konkret um kürzere erlaubte Transportzeiten, strengere Kontrollen und ein Verbot von Transporten in Drittstaaten, in denen Europäische Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten werden.

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Mit Spannung erwartet wird die am 20. Jänner stattfindende Abstimmung des Europäischen Parlaments über Empfehlungen zum neuen Tiertransporte-Gesetz. Thomas Waitz ist EU-Abgeordneter der Grünen und fasst die Empfehlungen so zusammen: „Wir fordern strengere Strafen, engere Kontrollen und bessere Tierschutzbestimmungen. So wurden etwa ein Ende des Transportes der Jungtiere unter fünf Wochen und eine Maximaltransportdauer von vier Stunden bei Geflügel, Hasen und ausgedienten Milchkühen mehrheitlich bejaht und somit in die Empfehlungen aufgenommen.“

Fakten

  • 80 Prozent der Lebendtiertransporte weltweit (!) hat die Europäische Union zu verantworten.
  • Unglaubliche 1,8 Milliarden Tiere werden jährlich lebend „verfrachtet“.
  • 61 Kilogramm Fleisch pro Kopf isst jeder Österreicher pro Jahr. Die unzähligen langen Tiertransporte sind auch für unseren Planeten unglaublich belastend - kaufen Sie daher bevorzugt Bio und regional!

Der Vorschlag, Tiertransporte generell auf acht Stunden zu limitieren, schaffte es leider nicht auf die Liste - aufgrund von nur einer fehlenden Stimme. „Diese Forderung können wir bei der kommenden Plenumsabstimmung hoffentlich durchkämpfen“, so Waitz. Denn derzeit ist lediglich festgehalten, dass künftig Tiere auf dem Weg zur Schlachtung - „wo möglich“ - nur noch maximal acht Stunden am Stück transportiert werden sollten - mit einer Ausnahme für Schiffstransporte.

Die Empfehlungen stehen unter Beschuss, vor allem von politisch liberaler und konservativer Seite. Während sich manche Politiker über angeblich zu strenge Maßnahmen empören, findet die Tierschutzorganisation Vier Pfoten die Empfehlungen unzureichend. Direktorin Eva Rosenberg: „Das EU-Parlament hat jetzt die Chance, Geschichte zu schreiben.“ „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner sieht die Abgeordneten in der Pflicht, für mehr Tierwohl abzustimmen: „Es ist gut, dass Menschen wie Thomas Waitz in Brüssel aktiv gegen diese sinnlose Quälerei vorgehen! Die Unterstützung der ,Krone‘-Familie ist ihm sicher.“

Hannes Royer von der Initiative „Land schafft Leben“ ergänzt: „Tierwohl endet nicht am Hoftor, sondern umfasst auch einen artgerechten und möglichst kurzen Transport.“ Alexander Rabitsch war 14 Jahre lang Tiertransportinspektor und hat Dinge gesehen, die wir Ihnen nicht zumuten können: "Das System ist krank!

Fakten

  • Im Jahr 2020 wurden 94.269 Rinder nach Österreich importiert und 92.882 in andere Länder exportiert! Vorherrschend ist dabei die Verbringung zwischen EU-Ländern. Aber auch Drittstaaten sind übliche Ziele.
  • Wie kommt ein Zuchttier zum Beispiel ins 125 Stunden Fahrt entfernte Aserbaidschan? Beim Verladen verletzen sich die Vierbeiner oft an den steilen Rampen. Im Transporter haben sie durchschnittlich 1,63 m² Platz, leiden unter Hitze oder Kälte. Nach 14 Stunden Fahrt ist dann eine Pause vorgeschrieben - oft findet diese neben der Straße statt. Oder gar nicht
  • Nach 29 Stunden müssen die Rinder bei einer sogenannten „Kontrollstelle“ abgeladen, gefüttert und getränkt werden. Meist gibt es in Drittländern aber gar keine - die Tiere haben dann im Lkw auszuharren.
  • Insgesamt dauert der Transport nach Aserbaidschan sieben Tage! Nur dreimal muss jeweils 24 Stunden pausiert werden. Nach der Ankunft ist das Schicksal der Rinder ungewiss.

Nach der Abstimmung am 20. Jänner werden der Abschlussbericht des ANIT-Ausschusses und die Empfehlungen an die Kommission überreicht. Diese hat angekündigt, 2023 einen Entwurf für eine neue Tiertransportverordnung vorzulegen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik endlich im Sinne der Tiere entscheidet.

Die Stunde der Wahrheit -
Kommentar von „Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner
Nur wenige Tage alt, noch auf wackeligen Beinen, werden in Österreich Kälber verladen. Die armen Geschöpfe haben oft noch die Nabelschnur hängen - doch das bewahrt sie nicht vor tagelangen Transporten. Viele von ihnen sind noch nicht fähig, an den Tränken im Laderaum ihren Durst zu stillen. Ja, das Gesetz schreibt Pausen vor, um die Tiere mit Milchersatz zu füttern. Doch eingehalten werden diese längst nicht immer.

Zitat Icon

Es muss endlich Schluss sein mit diesem barbarischen Hin- und Herkarren von fühlenden Lebewesen!

Maggie Entenfellner

Die Zahlen sind schwindelerregend: Rund 1,8 Milliarden () Hühner, Schweine, Schafe, Ziegen, Rinder und Kälber werden jedes Jahr in und aus der europäischen Union transportiert. Dabei sind wir eindeutig Weltmeister! Eine mehr als traurige und hinterfragenswürdige Leistung! In Umfragen sprechen sich 87 Prozent der Teilnehmer für Verbesserungen oder sogar ein Ende von Tiertransporten aus. Das sollte doch ein eindeutiges Signal an unsere Politiker sein! Denn vorbei am Wähler zu agieren, macht sich meist beim nächsten Urnengang empfindlich bemerkbar!

Kommende Woche wird sich in Brüssel zeigen, wie wichtig unseren Abgeordneten Tierschutz tatsächlich ist. Denn nur darüber zu reden reicht nicht – jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit – und wir erwarten effektiven Einsatz! Und sollte es tatsächlich Menschen geben, denen dieses Tierleid nicht am Herzen liegt, dann darf ich vielleicht noch folgende Gedanken mitgeben: Der CO2-Ausstoß der Tiertransporte ist massiv, und hinzu kommen jedes Jahr Hunderte Unfälle auf Europas Straßen mit übermüdeten Fahrern.

Darum machen wir es zum Thema
Die „Krone“-Familie hat genug vom rollenden Tierleid! Ein von uns 2020 einberufener Gipfel mit Vertretern aus der Politik brachte Einigkeit - aber Taten müssen noch folgen. 900.000 Menschen unterschrieben eine Petition für strengere Bestimmungen bei Tiertransporten. Wir bleiben für Sie dran! 

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