20.01.2022 11:48 |

„Falsch dargestellt“

Manager: „Nicht die Industrie wollte Elektroautos“

Wenn Politiker mit Fragen zu Sinn und Unsinn von Elektroautos konfrontiert werden, ist eine Antwort besonders häufig zu hören: Die Industrie habe sich längst für die E-Mobilität entschieden, sie sei bereits „viel weiter“. Doch nun schert nach BMW ein weiterer Hersteller aus der Herde aus.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Stellantis-Chef Carlos Tavares, zu dessen Konzern unter anderem die Marken Chrysler, Fiat, Opel und Peugeot gehören, stellt in einem Interview mit vier Tageszeitungen klar, dass die Entscheidung für die Elekromobilität politisch war.

„Es gab billigere und schnellere Methoden zur Reduzierung von Emissionen“, sagt Tavares. Er verweist auf Hybridautos, die „erschwinglich bleiben und einen sofortigen CO2-Vorteil bringen“. Beim europäischen Energiemix, so der Manager, müsse ein Elektroauto 70.000 Kilometer fahren, um den CO2-Fußabdruck der Batterieherstellung auszugleichen. Er verweist jedoch noch auf einen weiteren Umstand: Ein Hybrid sei „halb so teuer wie ein E-Auto“, Elektroantriebe seien 50 Prozent teurer als Verbrenner - und deshalb könne sich die Mittelschicht auf lange Sicht keine neuen Autos mehr leisten. „Das wird soziale Folgen haben“, so Tavares.

Es dürften in Europa also viel weniger Autos verkauft werden, und gebaut werden sie wohl auch nicht mehr hier: Die politisch erzwungenen, für die Umwelt nutzlosen Umwälzungen könnten dazu führen, dass die europäische Automobilindustrie irreparabel geschädigt wird, mahnt der Konzernchef. Er sieht düstere Zeiten aufziehen: „Wir werden in ein paar Jahren sehen, welche Hersteller überleben und welche nicht.“ Die Zukunft der europäischen Standorte hänge „auch von den politischen Rahmenbedingungen (...) und deren Folgen für den Automobilmarkt ab“ - ein kaum verbrämter Hinweis auf kommende Werksschließungen.

Die Auswirkungen der dirigistischen Maßnahmen sind schon heute spürbar: Modellprogramme werden ausgedünnt, saubere und sparsame Verbrennungsmotoren verschwinden aus dem Angebot. Gleichzeitig weigert sich die europäische Politik, synthetische Kraftstoffe, mit denen der CO2-Ausstoß existierender Autos auf null reduziert werden könnte, als Alternative anzuerkennen. (aum/jm)

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Sonntag, 22. Mai 2022
Wetter Symbol