18.01.2022 08:19 |

Thema des Tages

Das große Geschäft mit den Verstorbenen in Kärnten

Nach dem jahrzehntelangen Engagement von Gordon Kelz aus Villach, fordert jetzt auch das Team Kärnten die Abschaffung der Totenbeschaugebühr. Am Dienstag behandelt der Landtag den Antrag.

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Seit fast 20 Jahren fordert Gordon Kelz die Abschaffung der Gebühr für die Totenbeschau in den Krankenhäusern der Drau- und Lindwurmstadt. „Nachdem ich das Begräbnis meines im Alter von 86 Jahren verstorbenen Vaters organisiert hatte, begann ich zu recherchieren. Was mit den Hinterbliebenen gemacht wird, hat mit Pietät und Humanität nichts zu tun, das ist reine Abzocke!“

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Was mit den Hinterbliebenen gemacht wird, hat mit Pietät und Humanität nichts zu tun, das ist reine Abzocke!

Gordon Kelz

Teure Gebühr für Totenbeschau
Damit meint der engagierte Villacher nicht alleine die Tatsache, dass sich ein Begräbnis an sich unter 6000 Euro kaum organisieren lasse: „Damit ein Verstorbener überhaupt als solcher gilt, muss eine Totenbeschau vonstatten gehen. Und dafür werden die Angehörigen ordentlich zur Kasse gebeten“, erläutert Kelz mit einem Beispiel: „Es wird in keinster Weise differenziert, ob ein Mensch im Krankenhaus, im innerstädtischen Bereich oder auf einem Berg verstirbt. In jedem Fall wird eine Gebühr von 180 Euro von den Magistraten dafür eingehoben, dass ein Mensch für tot erklärt wird. In den Krankenhäusern müssen Ärzte dafür nicht einmal den Arbeitsplatz verlassen!“

180 Euro

müssen Angehörige für die Totenbeschau zahlen. Es wird nicht differenziert, ob der geliebte Mensch zu Hause oder im Spital verstorben ist.

Große Preisunterschiede
Ein Bestatter muss also erst ins Magistrat, wo 180 Euro eingefordert werden, damit der Verstorbene in der Pathologie abgeholt und in weiterer Folge für die Beerdigung vorbereitet werden darf. „Im Krankenhaus Salzburg bezahlt man dafür lediglich 40 Euro. Ich fordere einen bundesweiten Preis von 40 Euro oder gar nichts. Damit sollte die Arbeit, die anfällt, um einen Menschen für tot zu erklären, gedeckt sein!“, ist Kelz überzeugt: „Die Behörde kassiert, ohne eine Leistung erbracht zu haben!“

„Viele können sich das nicht leisten“
Etwa 2000 Verstorbene teilen sich pro Jahr auf die Städte Villach (800) und Klagenfurt (1200) auf. Kelz: „Alleine in diesen beiden Bezirksstädten bringt die Totenbeschaugebühr 360.000 Euro jährlich ein. 180 Euro klingt vielleicht nach keinem großen Betrag; es gibt aber viele, die sich das nicht leisten können!“

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Spitäler verfügen über Pathologien, in deren Tätigkeitsbereich die Beschau fällt. Ich verstehe nicht, warum Angehörige dafür bei der Behörde zur Kasse gebeten werden.

"Team Kärnten"-Chef Gerhard Köfer

Untersützung aus der Politik
Im Sommer 2021 schloss sich das Team Kärnten der Forderung von Kelz an. Ein Antrag auf Abschaffung der Gebühr wurde eingebracht, bis heute aber nicht im Landtagsausschuss behandelt. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese Gebühr von den Angehörigen der Verstorbenen eingehoben wird. Die Kabeg-Häuser verfügen über eigene Pathologien. Totenbeschau fällt in den Tätigkeitsbereich der Pathologie, nicht des Magistrats!“, betont Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer, der diese Abzocke endlich beseitigen möchte.

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Die von Herrn Köfer angesprochenen Gebühren werden von den jeweiligen Magistraten, nicht von den Kabeg-Häusern in Rechnung gestellt. Nur hier kann angesetzt werden!

Gesundheitsreferentin Beate Prettner

Vorkämpfer Kelz wird daher heute, Dienstag, den Abgeordneten im Kärntner Landtag als Insider Rede und Antwort stehen, wenn es - endlich offiziell - darum geht, über die endgültige Abschaffung der Totenbeschaugebühr zu diskutieren.

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