18.01.2022 07:36 |

Polizist gebissen

Fall Jason: Wenige Teilnehmer bei Demo vor Schule

Die Aufregung über den Fall des neunjährigen Jason, der einen Sachkunde-Test bei Minusgraden im Freien schrieb, gipfelte Dienstagfrüh in einer Demonstration bei der Volksschule im steirischen Voitsberg. Der Zustrom war gering, es kamen vor allem Menschen der Corona-Maßnahmengegner-Szene. Am Ende der Veranstaltung wurde bei der Kontrolle der Maskenpflicht ein Polizeibeamter von einem Hund gebissen.

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Wohl nicht einmal 50 Menschen kamen Dienstagfrüh zur Demo nahe der Voitsberger Volksschule, die durch den Fall des verweigerten Maskenbefreiungsattests und des freiwilligen Tests von Jason vor dem Schulgebäude seit Tagen in den Schlagzeilen ist. Die Organisatoren sind laut Polizei in der Region bekannt, sie führen hier die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen an. 

Dutzende Polizisten sind vor Ort. „Die Schule hat heute schon früher geöffnet, um den Kindern die Bilder zu ersparen. Es gibt andere Zufahrtswege und Einlässe“, so Polizeisprecher Markus Lamb. Ein Absperrgitter trennt die Demonstrationen vom Schulgelände, das die Protestteilnehmer nicht betreten dürfen.

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Die Schule hat heute schon früher geöffnet, um den Kindern die Bilder zu ersparen. Es gibt heute andere Zufahrtswege und Einlässe.

Polizeisprecher Markus Lamb

So kam es zu den bizarren Fotos
Nochmals zum Hintergrund des Falles: Die Eltern von Jason legten am Ende der Weihnachtsferien ein Maskenbefreiungsattest für ihren Sohn vor. Ausgestellt wurde es von einem für seine impfkritische Haltung bekannten Grazer Arzt. Die Schulleitung wollte das Attest daher überprüfen und Jason nicht ohne Maske - trotz eines aktuell gültigen negativen PCR-Tests - am Unterricht teilnehmen lassen. Am Freitag hat die Bildungsdirektion dann entschieden: Das Attest wird nicht anerkannt!

Laut seinen Eltern wollte der Bub aber unbedingt eine Lernzielerhebung in Sachunterricht ablegen, da er sich dafür lange vorbereitet habe. Also fuhr man an diesem Tag zur Schule. Die Klassenlehrerin stimmte schließlich zu, dass der Neunjährige den 15-minütigen Test, der übrigens nicht benotet wird, vor dem offenen Fenster zur Klasse schreiben darf. Auch die Eltern seien damit einverstanden gewesen, betont die Bildungsdirektion.

Keine Konsequenzen für Direktorin und Lehrerin 
Die Eltern machten Fotos der bizarren Situation - diese verbreiteten sich auf sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Die Bildungsdirektion überprüfte den „unglücklichen“ Vorfall, dienstrechtliche Konsequenzen für Direktorin und Lehrerin gibt es aber nicht. Der Bub besucht mittlerweile eine andere Schule und muss dort, weil das Attest nicht anerkannt wird, eine Maske tragen.

Star-Anwalt ist eingeschaltet
Der Vorfall könnte aber noch ein juristisches Nachspiel haben: So wandte sich das Bündnis Kinderschutz Österreich an Star-Anwalt Nikolaus Rast, der die Familie in der Causa nun rechtlich vertritt. Er will Strafanzeige gegen die Direktorin stellen - und zwar wegen Verletzung der Aufsichtspflicht. „Das Kind war zum Zeitpunkt des Tests in der Schule angemeldet, das Maskenbefreiungsattest lag vor und war da noch nicht aberkannt - die Schule hatte daher ganz klar die Aufsichtspflicht.“

Bildungsdirektion um Deeskalation bemüht
Bei den Betroffenen handelt es sich um „zwei junge Kolleginnen“, so Hermann Zoller, der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion Steiermark. „Man kann sich vorstellen, wie es denen jetzt geht.“ Dass Geschehenes zwar „unglücklich gelaufen“, den Frauen aber „kein Fehlverhalten im dienstrechtlichen Sinne“ vorzuwerfen sei, betonte einmal mehr Bernhard Just, stellvertetender Direktor der Bildungsdirektion. Beide waren Dienstagfrüh gemeinsam mit Psychologen zur Unterstützung der Kinder und Pädagogen in die Weststeiermark angereist.

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Das ist definiv der falsche Ort für ein solches Ansinnen

Bernhard Just, Bildungsdirektion

Lehrer stärker sensibilisieren
Man setze künftig auf noch mehr Gespräche und präventive Maßnahmen: „Wir werden in den Schulleitertagungen ab sofort verstärkt darauf hinweisen, dass besondere Sensibilität im Rahmen des Pandemiegeschehens angebracht ist und eine integrierende Pädagogik Vorrang hat“, so Zoller. Für die Demonstranten zeigten die Verantwortungsträger aus Graz wenig Verständnis: „Das ist definitiv der falsche Ort für eine solche Aktion“, so Just zur „Krone“.

Hund biss Beamten
Nach etwa zwei Stunden löste sich die Demo schließlich wieder auf. Die Bilanz: Ein leicht verletzter Polizist, der im Rahmen von routinemäßigen Masken-Kontrollen vom Hund eines Demonstranten ins Bein gebissen wurde, zudem führte man einen Demonstranten, nachdem er Widerstand geleistet hatte, ab. Vor allem aber: Viel Aufwand für ein paar wenige Aufwiegler. 

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