15.01.2022 15:46 |

Test im Freien

Fall Jason (9): Nun „Hetzjagd“ gegen Direktorin

Seit der Fall jenes neunjährigen Buben, der im steirischen Voitsberg einen Test (freiwillig) im Freien vor dem Klassenzimmer schrieb, bekannt wurde, stürzt eine regelrechte Flut an Hassmails und -postings auf die Schule und vor allem die Direktorin ein. Die steirische Bildungsdirektion spricht von einer „Hetzjagd“. Die Polizei ist eingeschaltet. Auch eine für Dienstag angekündigte Demo sorgt für Beunruhigung. Die Familie des Buben will indes rechtliche Schritte gegen die Schuldirektorin einleiten. Es geht um die Verletzung der Aufsichtspflicht.

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Ein neunjähriger Bub, der einen Test im Freien schreibt: Dieses Bild sorgt seit drei Tagen für Aufsehen. Viele überschreiten dabei Grenzen: Laut Bildungsdirektion gibt es sehr viele Hassmails an die Schule, auch gegen die Bildungsdirektion selbst. „Wir erhalten auch viele erboste Anrufe aus ganz Österreich. Es erkundigen sich aber auch einfach nur Menschen, die die Hintergründe des Falls wissen wollen“, so Sprecher Julian Kampitsch.

Bengalisches Feuer vor Schule gezündet?
In den sozialen Medien finde eine regelrechte Hetzjagd gegen die Direktorin statt. „Es werden auch ihre Personalien und Fotos veröffentlicht. Solche Postings und Hassmails werden angezeigt“, sagt Kampitsch. Am Samstag kursierte zudem ein bedrohliches Bild auf Facebook: Zwei Personen stehen augenscheinlich vor der Volksschule Voitsberg und zündeten bengalische Feuer. Zwischen ihnen prangt ein Banner, auf dem „Schande von Voitsberg“ zu lesen ist.

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Wir erhalten viele erboste Anrufe aus ganz Österreich.

Julian Kampitsch, Sprecher der steirischen Bildungsdirektion

Attest wurde nicht anerkannt
Nochmals zum Hintergrund des Falles: Die Eltern von Jason legten am Ende der Weihnachtsferien ein Maskenbefreiungsattest für ihren Sohn vor. Ausgestellt wurde es von einem für seine impfkritische Haltung bekannten Grazer Arzt. Die Schulleitung wollte das Attest daher überprüfen und Jason nicht ohne Maske - trotz eines aktuell gültigen negativen PCR-Tests - am Unterricht teilnehmen lassen. Am Freitag hat die Bildungsdirektion dann entschieden: Das Attest wird nicht anerkannt!

Laut seinen Eltern wollte der Bub aber unbedingt eine Lernzielerhebung in Sachunterricht ablegen, da er sich dafür lange vorbereitet habe. Also fuhr man an diesem Tag zur Schule. Die Klassenlehrerin stimmte schließlich zu, dass der Neunjährige den 15-minütigen Test, der übrigens nicht benotet wird, vor dem offenen Fenster zur Klasse schreiben darf. Auch die Eltern seien damit einverstanden gewesen, betont die Bildungsdirektion.

Keine Konsequenzen für Direktorin und Lehrerin 
Diese machten Fotos der bizarren Situation - diese verbreiteten sich auf sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Die Bildungsdirektion überprüfte den „unglücklichen“ Vorfall, dienstrechtliche Konsequenzen für Direktorin und Lehrerin gibt es aber nicht. Der Bub besucht mittlerweile eine andere Schule und muss dort, weil das Attest nicht anerkannt wird, eine Maske tragen.

„Schule hatte Aufsichtspflicht“
Das ist aber wohl noch lange nicht das Ende vom Lied: So wandte sich das Bündnis Kinderschutz Österreich an Star-Anwalt Nikolaus Rast, der die Familie in der Causa nun rechtlich vertritt. Der Vorwurf wiegt schwer: So wird Rast kommende Woche Strafanzeige gegen die Direktorin stellen - und zwar wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

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Ich werde kommende Woche Strafanzeige gegen die Schuldirektorin stellen.

Anwalt Nikolaus Rast

„Das Kind war zum Zeitpunkt des Tests in der Schule angemeldet, das Maskenbefreiungsattest lag vor und war da noch nicht aberkannt - die Schule hatte daher ganz klar die Aufsichtspflicht“, so der Anwalt am Samstag im Gespräch mit krone.at. Die Staatsanwaltschaft Graz müsse anschließend die Vorwürfe überprüfen. „Und wir überlegen uns dann weitere Schritte“, ist Rast von einem „sonnenklaren Fehlverhalten“ der Direktorin überzeugt.

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