28.12.2021 06:00 |

Silvester-Knallerei

Deutsche „Böller-Pendler“ decken sich bei uns ein

So schön ein bunter Feuerwerkshimmel auch ist: Neben alljährlichen Unfällen leiden auch unsere Tiere und die Umwelt. Die 22-Uhr-Sperrstunde wird die Knallerei im Privatbereich noch befeuern. Und auch „Böller-Touristen“ aus Deutschland sorgen im Vorfeld des Jahreswechsels für Wirbel.

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Wie unterschiedlich das Abfeuern von Silvesterraketen beurteilt wird, zeigt allein der Fleckerlteppich gesetzlicher Bestimmungen. Denn nicht nur in den Bundesländern, sondern sogar in einzelnen Städten gelten andere „Böller-Gesetze“.

Jedes Jahr dramatische Unfälle
Dass die Knallerei oft auch hochgefährlich ist, belegen dramatische Unfall-Berichte vergangener Jahre mit Schwerverletzten und sogar Toten bzw. auch Millionenschäden an Gebäuden oder in Wäldern, entfacht durch fehlgegangene Raketen.

Bei uns werden infolge der Covid-Sperrstunde ab 22 Uhr viele bei Privatpartys ins neue Jahr rutschen – untermalt vom knallenden Straßenlärm. Wobei die in Häuserfluchten reflektierte Knallerei nicht nur für betagte oder kranke Menschen zur Qual wird. Auch unsere Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, stehen durch die Lärmbelästigung unter Stress! Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten fordert erneut ein Böllerverbot.

Deutsche „Böller-Pendler“ horten Feuerwerkskörper
Hinzu kommt die Situation heuer in Deutschland, wo Feuerwerkshändler auf einem wahren Pulverfass sitzen. Denn weil dort Verkaufsverbot in der Pandemie herrscht, decken sich „Böller-Pendler“ in Österreich mit Raketen ein. Ganz legal! Denn in Teilen unseres Nachbarlandes, etwa im eigenen Garten und auch in manchen öffentlichen Bereichen, dürfen Feuerwerke abgebrannt werden.

Die möglichen Geld- bzw. Haftstrafen sowohl für Händler wie auch Private (siehe Kasten unten) sind jedenfalls abschreckend. Nicht zu vergessen die enorme Umweltbelastung durch das bunte Feuerwerk am Himmel: Rund 400 Tonnen Feinstaub werden in dieser Nacht in die Luft geschossen. Je nach Wetterlage bedeutet das bis zu acht Feinstaubtage in Folge.

DATEN & FAKTEN

  • 2020 hatte der Entschärfungsdienst bundesweit 74 Einsätze wegen Pyrotechnik (Sachbeschädigung, Körperverletzung, Unfälle, illegale Lagerung bis hin zu Selbstmord). Heuer sind es vor dem Höhepunkt zum Jahreswechsel 56 Amtshandlungen.  
  • Erzeugern und Händlern drohen beim Gesetzesverstoß 10.000 Euro Strafe oder bis zu sechs Wochen Haft.
  • Wer Verbote bei Sportveranstaltungen missachtet, dem drohen bis zu 4360 Euro Strafe bzw. bis zu vier Wochen Haft, sonst sind es 3600 Euro.

Supermärkte stellen Verkauf ein
Um weniger Pyrotechnik unter die Menschen zu bringen, verbannt die Supermarktkette Spar diese aus ihren Regalen. „Raketen und Böller lassen Tiere leiden, belasten durch Feinstaub unsere gute Luft, verunreinigen Böden und verletzen zahlreiche Menschen“, so Spar-Vorstand Markus Kaser. Auch die Mitbewerber Penny und Lidl ziehen beim Verbot mit, Hofer kündigt für 2022 den Komplett-Ausstieg an. Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl eindringlich: „In der Stadt drohen Geldstrafen von bis zu 3600 Euro!"

Innenminister appelliert an Hausverstand
Rund zehn Millionen Euro haben die Österreicher in den vergangenen Jahren im Durchschnitt für pyrotechnische Artikel rund um den Jahreswechsel ausgegeben. Und auch heuer dürften sich viele wieder nicht von der Knallerei abhalten lassen. Innenminister Gerhard Karner appelliert an den Hausverstand: „Die Verwendung von Feuerwerk erfordert Eigenverantwortung und Hausverstand. 2021 hat an das Personal in Spitälern große Herausforderungen gestellt. Tragen wir mit einem sicheren Umgang mit Pyrotechnik zur Entlastung bei.“

Christoph Matzl
Christoph Matzl
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