21.12.2021 11:02 |

Debatte neu entbrannt

Verbot von Feuerwerk: Supermärkte stoppen Verkauf

Im ewigen Streitthema „Feuerwerke“ hat sich nun die nächste große Supermarkt-Kette in Österreich klar positioniert: SPAR habe sich „aus Respekt und Schutz für Menschen, Tiere und unser Klima“ dazu entschieden, ab sofort keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen. Davor hatte mit PENNY die letzte Kette des Rewe-Konzerns einen Verkaufsstopp verhängt. BILLA und Lidl hatten bereits vor einiger Zeit den Verkauf eingestellt. Hofer will laut einer Aussendung vom April noch laufende Verträge und Abnahmeverpflichtungen erfüllen. Ab 2022 wird es beim Diskonter aber auch keine Raketen mehr geben.

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Bald gibt es die umstrittenen Feuerwerke und Böller nur mehr in Baumärkten zu kaufen: Nach PENNY hat sich nun auch SPAR Österreich dazu entschieden, keine Feuerwerkskörper mehr zu verkaufen. „Raketen und Böller lassen Tiere leiden, belasten durch Feinstaub unsere gute Luft, verunreinigen unsere Böden und verletzen zahlreiche Menschen. Das sind Gründe genug für uns, um den Feuerwerksverkauf einzustellen“, begründet Vorstand Markus Kaser die Entscheidung. Seit Jahren plädieren Tierschutz- und Umweltorganisationen für ein Verbot, vor allem Haustiere leiden unter dem Stress. 

„Schrecklicher Stress für Tiere“
„Es ist jedes Jahr ein schrecklicher Stress für ganz viele Haustiere, aber natürlich auch für Vögel und andere Wildtiere (...) 2020 gab es ja aufgrund von Covid-19 ein Verbot von privaten Feuerwerken und Böllern. Wir wollen darüber hinaus aber ein permanentes Verbot. Aktivitäten, die Tieren und der Umwelt Schaden zufügen, sind heutzutage einfach nicht mehr zu vertreten“, hofft etwa VIER-PFOTEN-Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck auf ein bundesweites Verbot von Feuerwerkskörpern.

Schädlich für Luft, Natur und Ohren
Laut Experten beginnt bei 80 bis 100 Dezibel die Unbehaglichkeitsschwelle des Menschen. Wild- und Haustiere leiden aufgrund des guten Gehörs besonders unter dem Feuerwerkslärm. Außerdem steigt die Schadstoff- und Feinstaubbelastung durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern explosionsartig an. In der Silvesternacht wird der Grenzwert von Feinstaub (PM10) an fast allen städtischen Messstellen in Österreich um das zehn- bis 15-fache überschritten.

Auch der Müll ist ein Thema
1000 Tonnen Müll werden durch die abgebrannten Knallkörper und Feuerwerksraketen jährlich verursacht. Dieser Müll kann für Wild- und Nutztiere gefährlich werden, da sie die Rückstände der Feuerwerkskörper für Futter halten. Aber auch unser Boden leidet durch die Knaller. Schwermetalle, wie Strontium, Arsen, Blei, Selen und Cäsium, geben dem Feuerwerk seine Farbe und werden bei der Explosion freigesetzt, fallen zu Boden und versickern in Böden und stehende Gewässer.

„Schenken Freude und Zufriedenheit“
Der Pyrotechnik-Verband hingegen verweist auf die seit Jahrhunderten gelebte Tradition der Feuerwerke. Die Menschen würden sich in Zeiten der Corona-Krise „nach ein wenig Zerstreuung, Freiheit und etwas Abwechslung sehnen“, die „märchenhaften Bilder“ würden „einsamen Bewohnern für einige Augenblicke Freude und Zufriedenheit“ schenken.

Fake-Meldungen von Tierschutz- und Umweltorganisationen, „die lange mit falschen Zahlen und unrichtigen Angaben das pyrotechnische Gewerbe angeschwärzt haben“, würden nun zusammenbrechen. Es würde sich um eine „Minimalbelastung kaum wahrnehmbarer Umweltemissionen“ handeln. Bei leiseren Feuerwerkskörpern mit „noch weniger Emissionen und Plastikteilen“ könne man gar von „grünen Silvesterraketen“ sprechen.

WKO: „Feuerwerkskörper genormt“
Die WKO reagierte auf den Verkaufsstopp mit einer Präzisierung ihrerseits: „Feuerwerkskörper bestehen zu 90 Prozent aus Pappe oder Karton. Laut einer aktuellen Studienanalyse verursachen Feuerwerke lediglich 0,28 Prozent des Feinstaubes in Österreich, dieser ist jedoch wasserlöslich und weit weniger schädlich als Feinstaub aus anderen Quellen. Außerdem verursachen Feuerwerke nur 0,0001 Prozent CO2 der Gesamtemissionen“, so WKO-Branchensprecher Pyrotechnikhandel Rudolf Jost. Europäischen Normen würden giftige und gefährliche Stoffe wie Arsen, Blei oder Quecksilber in Feuerwerkskörpern zudem verbieten, kein Feuerwerkskörper dürfte „einen Impuls-Schalldruckpegel (LAlmax) von mehr als 120 dB(Al) oder gleichwertig erzeugen“. Diese seien in Österreich „in einer Entfernung von acht Metern genormt“. Dies sei „Voraussetzung für die CE-Zertifizierung und die Zulassung“.

Was meinen Sie? Verkörpern Kracher, Knallfrösche und Co. gelebte Tradition oder stellen sie in Zeiten der Klimakrise nur einen weiteren Risikofaktor dar? Verraten Sie uns Ihre Meinung in den Storykommentaren!

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