24.12.2021 14:53 |

Argumente gefällig?

So kommen Sie durch weihnachtliche Covid-Debatten

Es ist bereits das zweite Weihnachtsfest inmitten der Corona-Pandemie. Waren im Vorjahr noch rar gewordene Selbsttests das Hauptthema, wird in diesem Jahr das Virus wohl samt der polarisierenden Impfung zwangsläufig Platz in den Diskussionen finden. Mit acht guten Argumenten lassen sich die gängigsten Sorgen entkräften - ein Überblick:

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Ein kleiner Teil der Bevölkerung sträubt sich nach wie vor, sich mittels Impfung gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Mit dem Zusammentreffen von Familie und Bekanntenkreis kann das Thema dann so manche Feierlichkeiten überschatten. Der „Spiegel“ hat nun die relevantesten Fragen beleuchtet und liefert dabei gute Argumente für die Diskussionen.

Ich bin jung und gesund, wozu soll ich mich impfen lassen?
Tatsächlich ist für junge, gesunde Menschen Covid-19 weniger gefährlich als für alte, vorerkrankte Menschen. Was viele aber vergessen: Das Immunsystem leidet unter Stress, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Bewegungs- und Schlafmangel. Auch Übergewichtige zählen zu den Risikopatienten und etwa Menschen mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Krankheit ist für keine Altersgruppe ohne Risiken. Eben aus diesem Grund wird die Impfung ja allen ab dem fünften Geburtstag empfohlen. Und selbst wenn die Krankheit nicht so schwer verläuft, dass man ins Krankenhaus muss: Zwei Wochen einen sehr schweren Atemwegsinfekt mit Fieber, Gliederschmerzen und Atemnot in häuslicher Isolation auszukurieren, kann ebenfalls schlimm sein.

„Ich habe Angst, dass die Impfung unfruchtbar macht“
Das ist tatsächlich eine der Hauptsorgen junger Menschen - und sie ist auch verständlich, aber unbegründet. So wird die Impfung bei einem Kinderwunsch sogar besonders empfohlen. Mittlerweile wurden bereits fast neun Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht - es wäre also aufgefallen, wenn dadurch die Fruchtbarkeit gemindert werden würde.

Zudem gab es bereits in der Zulassungsstudie für den Impfstoff von Biontech/Pfizer gleich viele Schwangerschaften in der Gruppe, die geimpft wurde, und in jener, die ein wirkstofffreies Placebo erhielt.

Dass Impfgegner darauf beharren, Impfungen würden unfruchtbar machen, ist eine Strategie mit langer Tradition. Dieser Mythos hängt deshalb zahlreichen Impfstoffen an. In dem Zusammenhang werden oft die Vakzine gegen HPV, die Schweinegrippe oder Kinderlähmung ins Treffen geführt. Bei keinem der genannten Impfstoffe gab oder gibt es aber Hinweise, dass sie tatsächlich die Fruchtbarkeit schädigen.

Die Impfung und eine Schwangerschaft
Was Schwangeren meist nicht bewusst ist: Sie zählen zu einer der Risikogruppen einer Covid-19-Erkrankung. Sie haben leider ein deutlich höheres Risiko, eine intensivmedizinische Betreuung oder eine Beatmung zu benötigen als Nicht-Schwangere. Rund ein Drittel aller Schwangeren, die sich mit Sars-CoV-2 infizieren, müssen im Krankenhaus behandelt werden. 

Dazu drohen nicht nur deutlich häufiger Frühgeburten, auch die Babys müssen häufiger sofort intensivmedizinisch behandelt werden. Gleichzeitig zeigen Daten von mehr als 100.000 geimpften Schwangeren, dass die Impfung das Risiko von Schwangerschafts-Komplikationen wie etwa Frühgeburten nicht steigert.

Lohnt sich das Warten auf einen sogenannten Totimpfstoff?
Aus Sorge vor der erstmals für Menschen zugelassenen mRNA-Technologie hoffen manche Menschen auf die sogenannten Totimpfstoffe. Ein Warten darauf ergibt jedoch nur wenig Sinn, wie etwa der Chef des Herstellers solcher Vakzine, Valneva, bereits mehrfach betonte. Dass jemand lieber auf etwas Vertrautes zurückgreifen möchte, ist durchaus nachvollziehbar, doch in der derzeitigen Situation sehr riskant.

Bis solche Impfstoffe also verfügbar sein werden, kann es noch dauern. Bis dahin bleiben nur die bereits zugelassenen Impfungen - und die sind sicher. Seit mittlerweile eineinhalb Jahren sind sie wesentlicher Bestandteil der Forschung und noch nie zuvor gab es so viele Daten zu einem Impfstoff.

Das heißt nicht, dass Impfungen keine schweren Nebenwirkungen hervorrufen können. Aber wenn sie auftreten, kommen sie nicht plötzlich Jahre nach der Impfung. Die meisten Beschwerden treten Stunden oder Tage nach der Impfung auf. Dass es bei den mRNA-Impfstoffen Nebenwirkungen gibt, die bislang unerkannt geblieben sind, ist nahezu auszuschließen, denn inzwischen wurden mehrere Hundert Millionen Menschen weltweit mit den Mitteln von Moderna oder Biontech/Pfizer geimpft. Bei dieser Größenordnung wäre auch eine noch so seltene Nebenwirkung bereits aufgefallen.

Ein weiteres Argument gegen die Angst vor Langzeitschäden durch mRNA-Impfstoffe: Die mRNA der Impfstoffe wird nach kurzer Zeit im Körper abgebaut und kann somit auch keinen langfristigen Schaden anrichten.

Schädigt mRNA nicht das Erbgut?
Nein, mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna besitzen nicht die Fähigkeit, das menschliche Erbgut zu verändern. Vielmehr ahmen sie ein Prinzip nach, das im menschlichen Körper bereits vorkommt: mRNA steht für „Messenger-RNA“ oder übersetzt „Boten-Ribonukleinsäure“. Sie wird im Zellkern gebildet und enthält den Bauplan für Proteine, welche die Zellen mit ihrer Hilfe produzieren können.

Die mRNA, die in den Impfstoffen steckt, wird künstlich im Labor hergestellt. Sie hat den Auftrag, den Bauplan für das Spikeprotein zu übermitteln, mit dem das Coronavirus an menschliche Wirtszellen andockt und diese infiziert. Durch die Impfung wird diese Bauanleitung dann in die Zellen eingeschleust, jedoch nicht in den Zellkern, wo sich unser Erbgut (die DNA) befindet. Das könnten sie ohnehin nicht umschreiben oder beeinflussen, denn dazu fehlen die entsprechenden Proteine.

Die Körperzellen lesen den Bauplan der mRNA ab, bilden das Spikeprotein und transportieren es an die Zelloberfläche. Dadurch wird das Immunsystem aktiviert und bildet Antikörper gegen die Spikeproteine. Diese Aktivierung spürt der Geimpfte meist durch die bekannten Impfreaktionen, also Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber oder Müdigkeit. Die mRNA wird anschließend vom Körper wieder komplett abgebaut.

„Boostern“ nutzt nur den Pharmakonzernen
Mittlerweile haben viele Studien gezeigt, dass der Impfschutz schon nach einigen Monaten wieder nachlässt. Das ist bei vielen Impfungen so. Doch leider haben Studien gezeigt, dass es die aufgebaute körpereigene Immunabwehr einige Monate nach der zweiten Impfung nicht mehr ganz so gut schafft, Viren zu bekämpfen, weil die Konzentration der Antikörper absinkt. 

Eine Boosterimpfung frischt den Schutz wieder auf, bringt also das Immunsystem dazu, wieder mehr Antikörper zu bilden, die das Coronavirus abwehren können. Vor allem für ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen, die ein hohes Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist die dritte Impfung daher sehr wichtig, um gut geschützt zu bleiben.

Hinzu kommt, dass die Omikron-Variante den Immunschutz von Geimpften und Genesenen wohl teilweise umgehen kann. Damit ist an der Behauptung, dass die Impfungen gegen Omikron nicht wirken, etwas dran.

Aber auch nur etwas: Denn im Labor hat sich gezeigt, dass eine Drittimpfung den Schutz gegen die Mutante gegenüber der Zweifachimpfung deutlich verbessert. Eine absolute Sicherheit gibt es aber auch mit Booster nicht.

„Das Impfen bringt doch gar nichts, auch Geimpfte können das Virus übertragen“
Tatsächlich können auch Geimpfte das Virus übertragen. In erster Linie dient eine solche Immunisierung aber auch dem Selbstschutz - so reduzieren alle zugelassenen Vakzine das Risiko eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs um bis zu 90 Prozent.

Das deutsche Robert-Koch-Institut liefert eine Beispielrechnung, was die 90-prozentige Schutzfunktion bedeutet: „Man stelle sich vor, in einer Gegend mit vielen aktiven Covid-19-Fällen treten etwa 20 Fälle je 1000 Personen auf. Würde in dieser Gegend dann ein Teil der Bevölkerung geimpft werden, würden also 20 von 1000 ungeimpften Personen an Covid-19 erkranken, aber nur etwa 2 von 1000 geimpften Personen. Wenn eine mit einem Covid-19-Impfstoff geimpfte Person mit dem Erreger in Kontakt kommt, wird sie also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schwer erkranken.“

Obwohl die Schutzfunktion der Impfstoffe gegen die Omikron-Variante, nach allem was bislang bekannt ist, geringer ausfällt, schützen die Impfstoffe nach aktueller Datenlage noch immer zu etwa 75 Prozent vor einem schweren Verlauf - und das ist viel im Vergleich zum komplett fehlenden Schutz der Ungeimpften.

„Corona-Tests sind völlig überflüssig, vor allem bei Geimpften“
Ganz in Sicherheit dürfen sich auch Geimpfte und Genesene leider nicht wiegen - besonders mit dem Auftauchen der Omikron-Variante, die für zahlreiche Impfdurchbrüche sorgt. Auch wenn Antigen-Schnelltests (oder noch besser PCR-Tests) keine absolute Sicherheit über den aktuellen Immunstatus bringen, sind Tests ein wichtiger Baustein von vielen, um das Risiko so klein wie möglich zu halten.

Je nach Virusmenge und Zeitpunkt der Untersuchung schlagen die Tests unterschiedlich gut an - bei Ungeimpften wie Geimpften. Haben Betroffene beispielsweise kurz nach der Infektion noch keine Symptome, sind auch die Schnelltests häufiger falsch negativ, sie zeigen also bei Infizierten an, alles sei gut. Hat jemand mit einer Coronainfektion hingegen eine sehr hohe Virusmenge im Nasen- und Rachenraum, zeigen Schnelltests am zuverlässigsten ein positives Ergebnis.

Bekannt ist zudem, dass Geimpfte mit einem Impfdurchbruch in der Spitze eine ebenso hohe Viruslast erreichen können wie Ungeimpfte, die mit Corona infiziert sind. Bei den Geimpften nimmt die Virusmenge aber schneller wieder ab.

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