24.12.2021 15:30 |

Recht junger Brauch

Wie der geschmückte Baum in die Stube kam

Der Christbaum gehört für uns zu Weihnachten; doch der Brauch ist jung und von den Protestanten geklaut.

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1856 gab es den ersten Christbaum in Kärnten. Er stand auf dem Hauptplatz von Ferlach, wo sich alle Bürger wegen einer Wohltätigkeitsaktion versammelt hatten. Von „Weihnachten 1866“ berichtet der einstige Bergbauernbub und spätere Buchautor Michael Unterlercher von einem Christbaum im Wiedweger Kirchlein in der Gemeinde Reichenau. Heimlich hatte der Vater ein „Schaff Äpfel von unserem einzigen Hüblbauer-Apfelbaum dazu gespendet. Andere Evangelische gaben den Baum und was sie eben beisteuern konnten.“

Nach Österreich gebracht war die Tradition des Christbaums von der protestantischen Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg worden. Die Ehefrau des Erzherzogs Carl ließ 1816 im Wiener Stadtpalais der adeligen Familie den ersten Christbaum aufstellen. Kaiser Franz I., der an der Feier teilnahm, gab daraufhin den Auftrag, auch in der Hofburg eine Tanne mit Kerzen zu schmücken.

Erst um 1900 kam in Kärnten der Gemeinschaftsbaum ab, der Nadelbaum wanderte in die Stuben der Bürger, später auch in die Bauernhäuser, wo bis dahin die Weihnachtskrippe das dominierende Symbol des Weihnachtsfestes gewesen war. Verzögert kamen auch die Christbaumkerzen in Kärnten an: Erst mit der Erfindung des günstigen Paraffins (1830) konnten alle Christbäume im zarten Licht leuchten.

Übrigens: Von den Protestanten geklaut ist auch das Christkind, das dem Vernehmen nach mancherorts sogar den Christbaum, überall aber die Geschenke bringt – seit dem 16. Jahrhundert.

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