18.12.2021 22:29 |

„Mühe nicht wert“

Deutscher Regierungsberater ist gegen Impfpflicht

Während sich in Österreich das Gesetz zur allgemeinen Corona-Impfpflicht bereits in der parlamentarischen Begutachtungsphase befindet, wird in Deutschland nach wie vor über so ein Gesetzesvorhaben diskutiert. Nun hat sich ein Mitglied der Ständigen Impfkommission, einem wichtigen Beratungsorgan der Bundesregierung in Berlin während der Corona-Pandemie, äußerst skeptisch zu Wort gemeldet. 

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„Persönlich halte ich von einer gesetzlichen Impfpflicht nicht viel, da diese einen Rattenschwanz an Administration, Impfbefreiungszeugnissen und Klagen nach sich zieht und die gesellschaftliche Entzweiung fördert“, betonte der Mikrobiologe Christian Bogdan am Samstag in einem Interview mit den „Nürnberger Nachrichten“. „Das Ziel, möglichst viele Menschen zu impfen, erreicht man über andere Wege viel einfacher. Allein die Einführung der 2G-Regel hat ja schon dazu geführt, dass sich sehr viele Unentschlossene impfen haben lassen“, führte der Experte vom Universitätsklinikum Erlangen weiter aus. Für ihn sind „drei oder vier Prozent“, die die Impfung aus Überzeugung ablehnen, „nicht der Mühe wert“.

Gesundheitsminister: „Booster unfassbar wertvoll“
Derzeit sind in Deutschland knapp 70 Prozent vollständig vakziniert, das ist ein ähnlicher Wert wie in Österreich. Für den deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist die Impfpflicht nötig, um die Zahl der tödlichen Infektionsverläufe zu minimieren. Er sei sicher, dass auch viele andere Länder eine solche Verpflichtung erwögen. Geboosterte hätten mit den jetzigen Impfstoffen bereits einen Schutz von 75 Prozent. „Das ist sehr nennenswert“, sagte der SPD-Politiker. Entsprechend Geimpfte, die sich infizieren, erkrankten in der Regel nicht schwer. „Somit ist die Booster-Impfung unfassbar wertvoll.“

Der neue deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) setzt zur Durchsetzung der geplanten allgemeinen Impfpflicht weniger auf die Polizei als auf Einsicht der Bürger. „Wir sind ein Land, in dem sich die allermeisten an Gesetze halten“, sagte Scholz vor wenigen Tagen in einem Zeitungsinterview. „Nicht weil uns überall gleich die Polizei kontrolliert. Sondern weil es zu unserer Natur gehört, dass wir uns an solche Regeln halten“, so der Regierungschef weiter. Über die Einzelheiten einer für alle obligatorischen Impfung gegen das Coronavirus werde der Bundestag beraten. Er selbst werde einer Impfpflicht als Abgeordneter zustimmen, „weil sie rechtlich zulässig und moralisch richtig ist“. Für Pflegepersonal und medizinische Berufe hatten Bundestag und Bundesrat bereits am 10. Dezember eine Impfpflicht ab Frühjahr beschlossen.

„Wir sind rote Linie“: Demos in vielen deutschen Städten
Wie in Wien, Klagenfurt und Innsbruck sind am Samstag auch in vielen deutschen Großstädten Gegner der Corona-Maßnahmen und einer Impfpflicht aufmarschiert. Es blieb überwiegend friedlich. In Hamburg zogen der Polizei zufolge mehrere Tausend Menschen in mehreren Blöcken durch die Innenstadt. „Nein zur Impflicht!“, hieß es auf selbst gebastelten Plakaten. Rund 8000 Menschen waren nach Polizeiangaben zu der Demonstration erwartet worden.

Trotz des Verbots einer geplanten Demonstration in Berlin versammelten sich hier Demonstranten am Brandenburger Tor. Die Polizei sprach von einer Menge „im unteren dreistelligen Bereich“. Darunter seien jedoch auch zahlreiche Touristen, die nicht für einen Protest vor Ort seien. Angemeldet waren ursprünglich 2000 Menschen, die vom Brandenburger Tor aus durch das Regierungsviertel ziehen wollten. In der Schweriner Innenstadt versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 1900 Menschen zu einer Demo, die Veranstalter sprachen von .300. Unter den Demonstranten waren nach Angaben einer Polizeisprecherin viele Familien mit Kindern. Auf Plakaten hieß es: „Stopp dem Impfwahnsinn“ oder „An Kanzler Scholz: Wir sind die rote Linie“. Die Parole spielte auf den roten Politiker an, der wiederholt gesagt hatte, für die Eindämmung des Pandemie gebe es „keine rote Linien“.

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