Unbesetzte Lehrpraxen

Bei Ärzteausbildung hat Oberösterreich noch Lücken

Wie steht’s um sie Ärzteausbildung in Österreich, kann sie den Bedarf an Medizinerinnen und Medizinern decken, insbesondere in der Allgemeinmedizin? Das hat der Bundesrechnungshof auf Initiative des Nationalrates geprüft - und dabei zwar nicht die Medizinfakultät der JKU in Linz direkt duchleuchtet, aber doch einiges Aufschlussreiches über die Lage in Oberösterreich zutage gefördert. Wir bringen hier die für Oberösterreich relevantesten Auszüge, den vollständigen Rechnungshofbericht finden Sie hier.

Bei der Allgemeinmedizin gab es in den vergangenen Jahren immer wieder eine öffentliche Diskussion über bestehende bzw. potenzielle künftige Versorgungsengpässe. Die Anzahl der allgemeinmedizinischen Turnusärztinnen und Turnusärzte in Krankenanstalten nahm österreichweit von 1.631 im Jahr 2016 um 33 % auf 1.095 im Jahr 2020 ab. Darüber hinaus wechselten viele Turnusärztinnen und Turnusärzte während oder nach der allgemeinmedizinischen Ausbildung in eine Sonderfachausbildung. Beides stand laut Rechnungshof in einem Spannungsverhältnis zur Intention der Ausbildungsreform 2014/15, die auf eine Attraktivierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung abzielte.

In Oberösterreich sank die Zahl der allgemeinmedizinischen Turnusärztinnen und -ärzte von 195 im Jahr 2016 auf 141 im Jahr 2020 (der Tiefpunkt war aber 2019 mit 137).

In Oberösterreich nur 12 Prozent der Lehrpraxen besetzt
Die Ausbildungsreform 2014/15 verpflichtete die allgemeinmedizinischen Turnusärztinnen und Turnusärzte, den letzten Teil ihrer Ausbildung im niedergelassenen Bereich zu absolvieren. Damit verbunden waren auch höhere Anforderungen an die Lehrpraxen. Mit Stand Juni 2020 waren von den österreichweit bewilligten 456 Lehrpraxisstellen Allgemeinmedizin 27 % besetzt. Die Auslastung der Lehrpraxisstellen lag in der Steiermark (47 %) und Wien (43 %) deutlich über dem Österreichschnitt, in Niederösterreich (18 %), Salzburg (18 %) und Oberösterreich (12 %) bewegte sie sich deutlich darunter.

Rückgänge in der Ausbildung zur Erwachsenen-Psychiatrie
Bis Anfang 2021 gab es zwei formelle Mangelfächer - die Kinder-Psychiatrie und die Erwachsenen-Psychiatrie. Die Anzahl der Turnusärztinnen und Turnusärzte in der Kinder-Psychiatrie stieg von 2016 bis 2020 deutlich (44 %), in der Erwachsenen-Psychiatrie jedoch kaum (2 %). Manche Länder verzeichneten sogar einen Rückgang dieser Turnusärztinnen und Turnusärzte. In Oberösterreich stagnierte ihre Zahl im Jahr 2020 gegenüber 2016 bei 8. In der Erwachsenen-Psychiatrie gab es einen Rückgang von 51 auf 42.

Bezogen auf die Einwohnerinnen und Einwohner bis zu 14 Jahren und bis zu 18 Jahren bzw. über 18 Jahren bildete etwa 2019 Salzburg die meisten und Oberösterreich die wenigsten Kinder-Psychiaterinnen und -Psychiater109 aus, Wien die meisten und das Burgenland die wenigsten Erwachsenen-Psychiaterinnen und -Psychiater.

Rückgang in Ausbildung zur Kinder- und Jugendheilkunde
Die Kinder- und Jugendheilkunde war kein (formelles) Mangelfach, obwohl in der öffentlichen Diskussion immer wieder Versorgungsengpässe thematisiert wurden. Trotzdem stieg die Anzahl der Turnusärztinnen und Turnusärzte in der Kinder- und Jugendheilkunde von 2016 bis 2020 um 22 %. Sowohl in den psychiatrischen Sonderfächern als auch in der Kinder- und Jugendheilkunde gab es viele unbesetzte Ausbildungsstellen. Mangels umfassender Bedarfsermittlung bzw. -prognosen blieb jedoch offen, ob die Zahl der besetzten oder besetzbaren Ausbildungsstellen ausreichte, um Versorgungsengpässe zu verhindern und die Versorgung nachhaltig sicherzustellen.

Bei den Turnusärztinnen und Turnusärzte in der Kinder- und Jugendheilkunde gab es in Oberösterreich von 2016 bis 2020 einen Rückgang von 56 auf 53.

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