„Krone“-Interview

Wiener ÖVP-Chef: „Spirale der Aggression stoppen“

Corona-Demos, Hass in der Politik, Wiener Gettobildung und der Lobautunnel: Der neue Chef der Wiener ÖVP, Karl Mahrer, bezieht im „Krone“-Interview Stellung und verrät, ob er an baldige Neuwahlen glaubt.

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„Krone“: Herr Mahrer, Gratulation zum neuen Job. Das ging rasch. Haben Sie die Ereignisse der vergangenen Tage überrascht?
Karl Mahrer: Der 2. Dezember war für uns alle überraschend.

Werden Sie die Landespartei personell umbauen?
Ich führe in den nächsten Wochen Gespräche, wie unser Team aussehen wird und welche Schwerpunkte wir setzen. Sofern es die Corona-Lage zulässt, werden wir im Frühling 2022 einen Parteitag ansetzen.

Apropos Covid: Sind Sie geimpft?
Ja. Dreimal.

Was sagen Sie zu den andauernden Demos der Impfgegner in Wien?
Ich habe Respekt vor Menschen, die ihre Meinung sagen. Ich habe auch Verständnis für Impfskeptiker. Ich habe aber kein Verständnis für Aufrufe zu Demos, wo Rechtsradikale mit Judensternen versuchen, andere für ihre Sache zu missbrauchen. Ich lade da auch die FPÖ ein, ihre Worte zu entmilitarisieren.

Rechnen Sie mit Neuwahlen im nächsten Jahr?
Jetzt müssen wir alles tun, um diese Pandemie zu bekämpfen. Neuwahlen sind kein Thema.

Was hat Sie bewogen, von der Polizei in die Politik zu gehen?
Drei Dinge: Leistungswillige fördern, Stichwort mehr Netto vom Brutto. Dann: sozialer Ausgleich zum Wirtschaftswachstum. In der Krise wurden Fehler gemacht. Aber durch die diversen Hilfen wie Kurzarbeit & Co. sind wir noch ganz gut weggekommen. Drittens: So etwas wie 2015, als Hunderttausende Menschen unkontrolliert über unsere Grenze marschierten, darf nie mehr geschehen.

Das sind Bundesthemen, und für Wien?
Sicherheit ist mir wichtig. Es reicht nicht, mehr Polizisten auf die Straße zu stellen. Die Stadtplanung muss Gettobildung und Abschottung verhindern. Das ist jetzt kein Vorwurf. Ich strecke meine Hand allen Parteien für eine gute Zusammenarbeit aus.

Klingt eher nach kollegial Schwarz als Türkis.
Ich definiere mich nicht über Farben, sondern über Inhalte. Ich möchte tatsächlich Brücken bauen. Hören wir mit Hass und Hetze in der Politik auf. Wir müssen die Spirale der Aggression stoppen.

Ihr Verhältnis zu Sebastian Kurz?
Ich kenne ihn seit Jahren und habe großen Respekt vor seiner Entscheidung.

Letzte Frage: Der gekippte Lobautunnel?
Da bin ich auf der Linie des Bürgermeisters. Jetzt müssen rasch Lösungen vorgelegt werden, die rechtlich machbar sind und die echte Alternativen - so es welche gibt - darstellen. Der Verkehr ist ja nicht weg.

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