05.12.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Woran erkennt man eine gute Frauenärztin?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, was eine gute Gynäkologin ausmacht.

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Man merkt sofort, wenn es passt: Der Wechsel zu einer guten Frauenärztin macht den regelmäßigen Kontrollbesuch gleich viel weniger schrecklich. Der erste Eindruck täuscht selten. Wenn jemand nur auf den Bildschirm schaut und einem beim Sprechen nie in die Augen, kann keine individuelle Beratung stattfinden. Kassenärztinnen sind oft unter Zeitdruck. Aber Raum für Unsicherheiten oder Fragen sollte auf jeden Fall sein. Auch die verständliche Erklärung von Untersuchungen und Behandlungen muss bei einer guten Ärztin möglich sein.

Einen sensiblen Umgang von Ärzten mit Intimität und Körpergrenzen merkt man auch daran, dass jede Berührung der Ärztin vorab von ihr angekündigt wird. Es passiert nichts, was die Patientin nicht erwartet oder wodurch sie sich überwältigt fühlen könnte. Das ist bei Fachärzten für Gynäkologie und Geburtshilfe besonders relevant. Sie sollten, auf dem gynäkologischen Stuhl sitzend, also schon einmal gehört haben: „Ich werde jetzt die Stabsonde in Ihre Vagina einführen, um Ihre Eierstöcke im Ultraschall untersuchen zu können, das könnte sich etwas kühl anfühlen ...“ Oder so ähnlich. Die Patientin wird respektvoll behandelt und nicht grob angefasst. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wenn es das nicht ist: Wechseln Sie den Arzt.

Schließlich erkennt man eine gute Frauenärztin daran, dass sie keine moralischen Ratschläge gibt, die Ihr Leben betreffen. Bestimmte Untersuchungen oder Behandlungen werden aus medizinischen Gründen empfohlen (oder abgelehnt), aber nicht aufgrund Ihres Alters, Ihrer sexuellen Orientierung, Ihrer Geschlechtsidentität oder Ihres Beziehungsstatus. Ein Kinderwunsch wird genauso unterstützt wie Kinderlosigkeit oder ein Schwangerschaftsabbruch. Es gibt keine unterschwelligen Annahmen über Ihr Sex- oder Liebesleben. Sie haben nicht das Gefühl, dass Ihnen im Gespräch nahegelegt wird, sich für etwas schämen oder rechtfertigen zu müssen. Kurz: Sie können mit der Ärztin ehrlich reden und fühlen sich nicht bewertet dabei.

Natürlich ist medizinische Kompetenz ebenso wichtig wie soziale Fähigkeiten. Damit es aber eine für Sie passende Gynäkologin ist, muss auch Ihr Bauchgefühl bei der Person gut sein. Immerhin geht es um nichts weniger als Ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit. Eine vertrauensvolle Fachärztin sollten Sie sich wert sein.

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Barbara Rothmüller
Barbara Rothmüller
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