27.11.2021 18:30 |

Tyrolit-Boss Swarovski

„Nach 21 Jahren ist es Zeit, Neues zuzulassen“

Nach mehr als 20 Jahren in der weltweit erfolgreichen Tyrolit-Gruppe mit Stammsitz in Schwaz in Führungsposition tätig, wird sich Christoph Swarovski als Vorstandsvorsitzender zurückziehen. Er hat das Unternehmen 2003 vor einem Verkauf bewahrt und es federführend kontinuierlich zu einem Paradebetrieb ausgebaut.

Christoph Swarovski gilt als besonnener Unternehmer, der stets punktgenau und mit klaren Worten agiert. „Es ist ein selbstbestimmter Rückzug“, nimmt er Gerüchten, die vor Monaten gezielt gegen seine Person gestreut wurden, zu Beginn des „Krone“-Gesprächs jeglichen Wind aus den Segeln. Auch werde er, nach seinem Rückzug im 1. Quartal 2022, als Beirat im Konzern bleiben. „Nach 21 tollen und lehrreichen Jahren ist es an der Zeit, im Unternehmen etwas Neues zuzulassen“, betont Swarovski.

Tiefpunkt markierte Start zum Weltunternehmen
Sein Blick auf diese mehr als 20 Jahre fällt naturgemäß differenziert aus. Wie so oft im Wirtschaftsleben, begann auch bei Tyrolit der steile Aufwärtstrend, als das Unternehmen an einem Tiefpunkt angelangt ist. Es war das Jahr 2003, in dem der Verkauf an Bosch schon fast fix war. Aber Christoph Swarovski legte sich quer, obwohl er vielfach unter Druck gesetzt wurde. Was dann bis heute folgte, waren stets klug überlegte Zu- und Aufkäufe von Konkurrenten quer über den Globus verstreut, konstante Umsatzsteigerungen und Ergebnisverbesserungen, aber auch strategische Entscheidungen, etwa sich von marschschwachen Produkten zu trennen (Produkte, die man in der Gesteinsindustrie zum Schleifen von Fliesen oder bei Natursteinböden einsetzt) und sich voll auf marschstarkes Geschäft (Medizin-Technik etc.) zu konzentrieren.

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Tyrolit ist für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Die Strategie ist definiert und wir werden weiter zu den Top-Playern am weltweiten Schleifmittelmarkt gehören.

Christoph Swarovski

Die Folge: Der Wert des Unternehmens wurde „um ein Vielfaches“ gesteigert, wie Swarovski betont. Heute ist Tyrolit weltweit die Nummer zwei. „Und die Mitarbeiter sind wieder stolz, bei uns zu arbeiten“, ist Swarovski überzeugt und betont: „Tyrolit ist für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Die Strategie ist definiert und wir werden weiter zu den Top-Playern am weltweiten Schleifmittelmarkt gehören. Einen besonderen Anteil haben unsere 1200 Mitarbeiter in Schwaz, die das Herz und Hirn unseres Erfolges sind.“ Weltweit sorgt das Unternehmen für rund 4500 Jobs.

Es gab natürlich auch die eine oder andere Krise, die seinen Rückblick prägt. „Die Wirtschaftskrise 2008 bis 2010 hat mir damals viele schlaflose Nächte eingebracht. Und natürlich auch Corona.“ Man sei aber hervorragend durch diese Krisen gekommen. Im laufenden Geschäftsjahr 21/22 wird der Umsatz bei etwa 650 Mio. Euro liegen, nach 570 im vorangegangenen.

„Bleibe natürlich weiter Tiroler IV-Präsident“
Apropos bewegen: Sein Rückzug an der Spitze von Tyrolit bedeutet nicht, dass er in den Ruhestand wechselt. Im Gegenteil: Als Tiroler IV-Präsident ist Swarovski bis 2024 gewählt und will dieses Amt weiterhin mit Elan ausüben. Auch bei „Tyrol Equity“, einer Beteiligungsgesellschaft mit industriellem Hintergrund, gebe es genug zu tun. Außerdem sitzt Swarovski im Aufsichtsrat der OMV.

„Wünsche professionelle Struktur für Swarovski“
Was die monatelangen Streitereien innerhalb des gesamten Swarovski-Konzerns betrifft - die „Krone“ berichtete mehrfach - gibt sich Christoph Swarovski eher wortkarg, hält sich an Abmachungen, betont aber: „Wie ich bereits vergangenes Jahr gesagt habe, sollen Interna intern bleiben. Die unterschiedlichen Rechtsauffassungen werden vom Schiedsgericht beurteilt. Wir gehen von einer Entscheidung zur Jahresmitte 2022 aus.“

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Swarovski und Tirol sind wie eine Ehe. Sie halten in guten und schlechten Zeiten zusammen.

Christoph Swarovski

Um dann zu ergänzen: „Meine Familie wünscht sich eine professionelle Struktur für Swarovski. Das heißt für uns eine Aktiengesellschaft nach österreichischem Recht, einen nach strengen Qualifikationskriterien ausgewählten Aufsichtsrat inkl. Management sowie ein klares Bekenntnis zu den Produktionsstandorten in Wattens. Wir sind seit 125 Jahren von Wattens aus erfolgreich und ich sehe keinen Grund, warum man das jetzt ändern sollte. Swarovski und Tirol sind wie eine Ehe. Sie halten in guten und schlechten Zeiten zusammen.“

Claus Meinert
Claus Meinert
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