24.11.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

Es sind nicht nur Schwurbler …

Wer alle Demonstranten vom vergangenen Wochenende in die Schublade der Schwurbler steckt, macht es sich zu einfach. Nicht nur das, die leicht daher gesagte Pauschalierung treibt uns auseinander. Mehr Differenzierung wäre angebracht!

Natürlich waren bei der Anti-Impfpflicht-Demo in Wien auch viele Andersbegabte dabei. Jenen, die mit Duschhauben und Schirmen durch die Straßen zogen, um sich vor einem Pfizer-Regen aus umgebauten Wasserwerfern zu schützen, ist wirklich nur noch schwer zu helfen. Auch mit der Gummistiefel-Fraktion, die sich vor Impfspritzen aus Kanaldeckeln schützen wollen, wird es nicht leicht. Da hilft auch kein Gespräch mehr.

Rechtsextreme als Rattenfänger
Genauso wenig kann man leugnen, dass bedenkliche Gruppierungen am Samstag mitmarschiert sind. Rechtsextreme und andere Rattenfänger versuchten sich die aufgeheizten Stimmungslage zunutze zu machen, denn sie wissen: Verunsicherung ist für Ideologie ein guter Nährboden. Dass mindestens 10 Anzeigen gegen das Verbotsgesetz ausgesprochen worden, zeigt das Elend. Bei denen braucht man nicht einmal an ein Gespräch zu denken.

Demo war FPÖ-Demo
Nicht zu vergessen ist außerdem die Rolle der FPÖ bei der Demonstration. Sie rief überhaupt erst dazu auf, mitzumarschieren, ihr Parteiobmann ließ sich coronabedingt aus der Quarantäne zuschalten - die Bitterstoff-Prophylaxe hat offenbar nicht geholfen. Ob das allen Teilnehmern bewusst war, dass das im Grunde eine blaue Veranstaltung war? Wohl kaum, denn auch die Gruppe der Esoteriker, Alternativen und Linken war gut vertreten.

Das sind keine Schwurbler, das sind Menschen wie du und ich
Ja, das war an diesem Samstag ein seltsames Potpourri, das sich da in der Wiener Innenstadt versammelt hat. Und dazwischen: Normalos, Verunsicherte, Verzweifelte. Freunde und Bekannte, Nachbarn. Lehrer, Pfleger, Angestellte und Unternehmer. Nicht links, nicht rechts, manche wahrscheinlich sogar unpolitisch. Menschen, die wir gerne haben und Menschen, wie du und ich.

Die Politik wird verlieren, wenn…
Wenn die Politik sie zu verschwurbeln versucht, wird sie verlieren. Der hämische Fingerzeig bewirkt, dass sich diese verunsicherten Normalos endgültig zurückziehen. Dorthin, wo sie nicht ausgelacht werden, sondern Verständnis finden und zuweilen auch oben beschriebene Verführer lauern. Liebe Politik: Trotz drohender Impfpflicht muss eine konsequente, noch nie dagewesene Aufklärungskampagne her. Ruhig, sachlich und wertfrei. Sonst droht dem Land endgültig die Zerspaltung.

Katia Wagner
Katia Wagner
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