16.11.2021 06:48 |

Offene Rechnungen

„Wir können niemanden zwingen, mit uns zu kommen“

Tirols Bergretter werden immer wieder damit konfrontiert, dass sich Menschen nicht helfen lassen wollen, weil sie nicht versichert sind. Schockiert zeigen sie sich darüber, dass die Rettung von zwei Rassehunden unbezahlt blieb.

Alpinisten, die regelrecht vor den Bergrettern fliehen, wie der Pole am Sonntag auf der Zugspitze, stellen die Ausnahme dar. Der Verzicht auf Hilfe aus monetären Gründen kommt aber doch regelmäßig vor.

Der Sölder Max Riml, Bezirksleiterstellvertreter Imst der Bergrettung, weiß einige Geschichten in diesem Zusammenhang zu erzählen - ein paar regen zum Schmunzeln an. „Einmal hatten wir im Bikepark Sölden einen Patienten, der angeblich so starke Schmerzen wie noch nie verspürte. Als wir ihn auf die Bergekosten aufmerksam machten, rief er jedoch zunächst seine Versicherung an, ob die 300 Euro auch tatsächlich übernommen würden“, erinnert sich Riml. Andere „Rettungsunwillige“ probieren verletzt auf eigene Faust und auf kuriose Weise ins Tal zu kommen - etwa als Autostopper.

Inkassobüro in „krassen Fällen“
Zum Glück zwingen und „mitnehmen“ können die Bergretter niemanden. „Dazu fehlen uns die rechtlichen Voraussetzungen“, sagt Pressereferent Gregor Franke. Bei Patienten mit „Igel“ in der Geldtasche wirke aber meist die Überredungskunst. Flattert dann die Rechnung ins Haus, gibt es da und dort jedoch Zahlungsverweigerer. „In krassen Fällen schalten wir ein Inkassobüro ein“, sagt Tirols Bergrettungschef Hermann Spiegl. Etwa 20-mal pro Jahr kommt es so weit.

Betuchtes Herrl hat kein Geld für Einsatzkosten
Immer noch auf ihr Geld warten leider die Sölder Bergretter nach einem Einsatz im Venter Tal 2019, bei dem sie für ein tierisches Weihnachtswunder sorgten. Am 23. Dezember waren zwei Rassehunde durch eine steile Eisrinne abgestürzt. Sieben Sölder Bergretter befreiten in einer fünfstündigen Aktion die verletzten Tiere aus ihrer misslichen Lage und konnten sie ihrem betuchten Herrchen übergeben. „Von den Einsatzkosten von rund 1350 Euro haben wir aber leider bis heute keinen Cent gesehen“, bedauert Max Riml.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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