15.11.2021 07:15 |

Pole wollte abhauen

Keine Bergeversicherung: Verfolgung auf Zugspitze

Das haben die Ehrwalder Bergretter noch nie erlebt: Bei der Rettungsaktion für zwei polnische Bergsteiger am Sonntag auf der Zugspitze in Tirol versuchte einer der beiden vor den Einsatzkräften zu „flüchten“. Die Bergretter erwischten den Mann gerade noch, ehe er falsch abgestiegen und in absolute Lebensgefahr geraten wäre.

Wieder Schauplatz Zugspitze: Nach der spektakulären Rettung eines schwer verletzten Gleitschirmpiloten am Freitag mussten Ehrwalds Bergretter am Sonntagvormittag erneut auf Deutschlands höchsten Berg: Zwei polnische Bergsteiger, die im Bereich der Stopselzieherroute biwakiert hatten, kamen wegen einer Verletzung und bei tiefwinterlichen Bedingungen nicht mehr weiter.

„Wir sind mit 15 Mann ausgerückt und mit der bayrischen Zugspitzbahn, die sich zwar in Revision befindet, aber Fahrten durchführen kann, auf den Gipfel“, erzählt Einsatzleiter Riccardo Mizio. Die Bergretter seilten sich in der Folge vom Gipfel bei Schneetreiben und Wind 300 Meter zum Biwak der Polen ab. Dort wurde es kurios ...

Lebensgefährlicher Plan
Denn sie trafen lediglich einen der beiden an – den 41-Jährigen mit Knieverletzung. Sein Partner hatte das Biwak verlassen und war verschwunden. „Wir haben den Verletzten am Seil gesichert und hinauf zur Bergstation gebracht“, erzählt Einsatzleiter Mizio. Anschließend begann die Suche nach dem zweiten Bergsteiger. Der hatte den lebensgefährlichen Plan gefasst, völlig erschöpft bei widrigsten Wetterbedingungen zum Zugspitzplatt abzusteigen und von dort hinab nach Ehrwald zu marschieren.

Pole wollte sich zunächst gar nicht helfen lassen
Am Gipfelgrat begann eine regelrechte Verfolgungsjagd: Die Einsatzkräfte eilten dem Polen nach und erwischten ihn – zu seinem Glück –, ehe er Richtung Platt abgebogen wäre.

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Erst als ich ihm sagte, dass er keine Rechnung bekommt, ging er mit.

Einsatzleiter Riccardo Mizio

Die Situation wurde jetzt noch kurioser. „Er wollte nicht mit uns mitkommen“, schildert Mizio. Begründung: Er brauche keine Hilfe, habe keine Bergrettung gerufen. Der wahre Grund war freilich ein finanzieller: Der 41-Jährige hatte keine Bergekostenversicherung. „Erst als ich ihm sagte, dass er keine Rechnung bekommt, ging er mit.“

Schließlich brachten die Ehrwalder Bergretter beide Polen mit der Zugspitzbahn sicher zurück ins Tal.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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