19.10.2021 11:58 |

Integrationsbarometer

Frauenthema bereitet Österreichern meiste Sorgen

Beim Integrationsbarometer wird versucht herauszufinden, wo es im Zusammenleben von Österreichern mit und ohne Migrationshintergrund Spannungsfelder gibt. Bei der aktuellen Umfrage wurde die Einstellung gegenüber Frauen erstmals als größtes Problem genannt - mehr als die Hälfte orten hier Schwierigkeiten. Es folgen kulturelle und sprachliche Unterschiede sowie Gewaltbereitschaft und Kriminalität.

1000 Menschen werden jährlich meist zwei Mal befragt, um aufzudecken, wo bei der Integration der Schuh drückt. Die aktuelle Umfrage im Auftrag des Integrationsfonds wurde im August durchgeführt. Zentrale Merkmale einer guten Integration sind aus Sicht der Österreicher Kenntnis und Anerkennung der Gesetze, einer Arbeit nachzugehen, österreichische Werte zu kennen und zu akzeptieren sowie die deutsche Sprache gut sprechen zu können.

Konflikte im öffentlichen Raum und in Schule, weniger im Job
Die Bewertung des Zusammenlebens mit verschiedenen Migrantengruppen ist im Vergleich zu früheren Umfragewellen stabil. Vorbehalte gibt es gegenüber Muslimen und Flüchtlingen. Positiver ist die Einstellung hingegen, wenn die Personen aus Ländern kommen, von denen die Menschen teils ein positives oder zumindest kein negatives Bild haben. Allerdings wird das Zusammenleben mit allen drei Gruppen mehrheitlich als (eher) schlecht wahrgenommen.
Besonders schlecht lebt es sich gemeinsam im öffentlichen Raum, im Wohnviertel und in der Schule. Im Arbeitsumfeld und in Geschäften gebe es allerdings weniger Konflikte.

Drei von vier Österreichern orten Parallelgesellschaften
72 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, es gebe Parallelgesellschaften in Österreich. Dieser Wert ist im Vergleich mit früheren Umfragewellen stabil. Parallelgesellschaften werden vor allem im öffentlichen Raum und im Wohnviertel wahrgenommen, auch die Schule wird als Problembereich identifiziert. Viele Befragte forderten daher eine Ausbildung und Kontrolle islamischer Religionslehrer durch den österreichischen Staat und zu integrationsfördernden Inhalten des islamischen Religionsunterrichts.

Als weiterer Wunsch wurde eine stärkere Einbeziehung der Eltern in die Bildung der Kinder genannt. Auch für eine starke finanzielle Unterstützung von Brennpunktschulen spricht sich eine Mehrheit zumindest „eher“ aus. Das persönliche Sicherheitsgefühl ist für die Mehrheit der Befragten im vergangenen Jahr gleich geblieben, jeder Dritte sah es verschlechtert und nur sieben Prozent erkannten eine Verbesserung.

Automatische Staatsbürgerschaft lehnt fast jeder Zweite ab
Geteilte Meinung gab es beim Vorschlag, dass in Österreich geborene Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft bekommen sollen, wenn sich zumindest ein Elternteil seit mindestens fünf Jahren legal im Land aufhält. 48 Prozent stimmen dem zu, 44 Prozent lehnen den Vorschlag ab. Ablehnend steht eine Mehrheit dem grundsätzlichen Zulassen von Doppelstaatsbürgerschaften, der Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft schon nach sechs Jahren rechtmäßigen Aufenthalts zu vergeben sowie einer Erleichterung des Erwerbs der Staatsbürgerschaft gegenüber.

„Wir sehen, dass nach der Corona-Krise die Integrationsthemen wieder stark an Bedeutung gewonnen haben. Auffallend ist, dass die Einstellung gegenüber Frauen als größtes Problem beim Zusammenleben mit Zuwandern gesehen wird“, fasste Integrationsministerin Susanne Raab die Studienergebnisse zusammen. Die ÖVP-Politikerin hält es für wichtig, dass patriarchale Rollenbilder aufgebrochen werden und Frauen im Integrationsbereich gestärkt werden.

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