15.10.2021 07:04 |

ÖSV-Chefin Stadlober:

„Es braucht Mut, um so einen Schritt zu machen“

Nach 116 Jahren Verbandsgeschichte und 22 Männern an der Spitze ist Roswitha Stadlober die erste Frau im (ehrenamtlichen) Präsidentenamt. Das konnte sich die 58-Jährige bis vor Kurzem selbst nicht vorstellen. „Wenn sich Chancen ergeben, muss man sie annehmen“, will die Ex-Slalomläuferin Frauen Mut machen.

Frage: Frau Stadlober, Mittwoch wurden Sie zur ÖSV-Präsidentin gekürt, das wird heute formal noch abgesegnet. Es war ein aufregender Tag. Konnten Sie dann schlafen?
Stadlober: Verhältnismäßig gut. Mein lieber Mann hat mich erwartet, wir haben noch angestoßen. Und gestern um 6 Uhr morgens haben uns die Kirchenglocken in Radstadt schon wieder rausgeläutet.

Wie viele Gratulationen hatten Sie allein bis gestern Vormittag am Handy?
Es waren sicher über 100 Anrufe, WhatsApp, SMS. Da wird einem erst so richtig bewusst, was passiert ist.

Nämlich, dass Sie in der 116-jährigen Geschichte des Skiverbandes die erste Frau an der Spitze sind ...
Dabei habe ich das nicht angestrebt. Ich wollte im Juni als Vize-Präsidentin nach zehn Jahren aufhören. Dann hat mich mein Vorgänger Karl Schmidhofer überredet zu bleiben. Und als die schwierige private Situation um seinen Sohn eintrat und er zurücktreten musste, hat er mich angerufen. Da übernimmt man Verantwortung.

Es gab kein Zögern?
Es gibt den Spruch: Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an. Es braucht schon Mut, so einen Schritt zu machen. Aber ich habe mir gedacht: Warum nicht? Ich war mein Leben mit dem Sport verbunden, kenne die Bedürfnisse der Sportler.

Wie Ihr Ehemann Alois als Langlauf-Weltmeister, Tochter Teresa und Sohn Luis, beide ebenfalls Langläufer. Was hat der Familienrat gesagt?
Die Kinder meinten: Mama, go for President!

Hat auch Ex-Boss Peter Schröcksnadel gratuliert?
Nein, wird er auch nicht machen.

Aber nach dem Hickhack um das Schröcksnadel-Erbe war’s wichtig, dass alle Landesverbände für Sie stimmen.
Für mich gab es nur Einstimmigkeit, sonst wäre es anders gekommen. Aber mit der Lösung sind alle sehr zufrieden, das war zu spüren.

Sprich, dass Patrick Ortlieb Sie als Finanzreferent und Christian Scherer als ÖSV-Generalsekretär an der Spitze unterstützen?
Genau, die Last ist so auf mehreren Schultern verteilt. Wir sind gut aufgestellt.

Sie sind bis 2024 gewählt. Was gehen Sie als Erstes an?
Das Thema Digitalisierung in der Verwaltung, etwa ein Tool zu schaffen, dass alle zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Infos kriegen.

Sie waren am Donnerstag bei der Gala-Nacht des Sports. Die erste offizielle Dienstreise?
Nicht ganz, ich habe die Wahl 1986 gewonnen und war wie alle Sieger eingeladen. Aber das ließ sich gut verbinden. Die erste Dienstreise wird zum Weltcup in Sölden sein. Da war ich noch nie bei einem Rennen.

Herbert Struber
Herbert Struber
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