Ski Alpin

Wenn die Qualifikation zu einer Qual wird

Vorarlberg
13.10.2021 12:35

„Krone Vorarlberg“-Skiexperte Magnus Walch wirft in seiner neuen Kolumne „Schwung-Ansatz“ einen Blick auf das „Rennen vor dem Rennen“, sprich die teaminterne Qualifikation. Ein Thema, das beim Lecher tatsächlich dazu führt, dass sich selbst heute - mehrere Monate nach Karriereende - noch sein Pulsschlag erhöht...

Qualifikationen stehen im Sport an der Tagesordnung: Athleten müssen sich für Turniere, die nächste Runde, den zweiten Durchgang, einen Kaderplatz oder für einen Startplatz bei einem Wettkampf qualifizieren. So wie diese Woche. Die teaminterne Qualifikation für den Weltcupauftakt ist immer etwas Besonderes. Wer für das Rennen fix gesetzt ist, kann sich in aller Ruhe vorbereiten, am Material tüfteln, die Formkurve Richtung Renntag aufbauen. Für die anderen tun sich schon Wochen zuvor viele Fragezeichen auf. Wann findet die interne Quali statt? Um wie viele Plätze geht es? Bin ich überhaupt dabei? Es wird spekuliert, gemutmaßt. Und das kostet Energie.

Erhöhter Puls
Eigentlich will man als junger Athlet seinem Plan treu bleiben, Sölden keinen zu hohen Stellenwert beimessen und sich auf den Europacup-Auftakt fokussieren. Aber so leicht ist das nicht, wenn man weiß, dass man das Zeug dazu hat, beim Weltcupauftakt mitzufahren. Im inneren Dialog kämpft der Ehrgeiz mit der Vernunft. Was also tun? Akzeptieren, dass es so ist, dass diese Gedanken kommen. Sich vorbereiten. Bereit sein. Und dann steht endlich der Termin. Für das Rennen vor dem Rennen. Ich war am Quali-Tag immer nervöser als beim Rennen selbst. Allein beim Schreiben dieser Zeilen erhöht sich mein Puls schon wieder um mindestens zehn Schläge.

Die besten zwei aus drei Läufen zählen. So lautet der gängige Modus. Auch ein bisschen taktisches Feingefühl ist gefragt. Schon im ersten Lauf das letzte Hemd riskieren? Ich bin immer All-in gegangen. Oder zuerst einen Sicherheitslauf auf Papier bringen? Manchmal wäre dieser Weg der effektivere gewesen. Am Ende des Tages stehen zwei Zeiten am Papier. Und wenn es, wie so oft, um nur einen Platz geht, gibt es einen Gewinner. Und viele Verlierer. Ein zweiter Platz beim Rennen ist oft ein Erfolg. Ein zweiter Platz bei einer Quali nichts. Gar nichts.

Für den Quali-Sieger ist das Durchatmen nur von kurzer Dauer. Motivation und Vorfreude sind riesig und doch quält einen wieder ein unliebsamer Gedanke im Hinterkopf: Wenn man aber am Renntag nicht abliefert, wird man beim nächsten Rennen nicht mehr am Start stehen. Der Cheftrainer will auch noch die letzten Prozent herauskitzeln: „Jetzt kannst du es uns zeigen.“ Diesem Druck heißt es erst einmal standzuhalten. Wer am besten damit umgeht, steht später als Sieger da. Survival of the fittest. Ich habe mir immer vor Augen gehalten, worum es mir beim Rennfahren geht, was ich daran so liebe: die Herausforderung. Je größer die Herausforderung, desto größer die Freude dabei. Challenge accepted. In diesem Sinne mein Rat an unsere Vorarlberger Athletinnen und Athleten: Accept the challenge and have fun!

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