09.10.2021 05:55 |

„Öffnet Studium!“

Diagnose: Kollabierendes Ärztesystem in Kärnten

Bereitschaftsdienste, die nicht besetzt werden können. Planstellen, für die sich keine Bewerber finden. Akuter Medizinermangel in den Spitälern. All das sind Symptome des kollabierenden Ärztesystems in Kärnten. Es gibt einige Möglichkeiten der Therapie, doch derzeit wird eher am Problem herumgewurschtelt.

Wir schreiben heute den 9. Oktober. Seit 1. Juli ist eine Planstelle, sprich ein Kassenvertrag, für einen Allgemeinmediziner in der Gemeinde Mühldorf ausgeschrieben. Klaus Mitterdorfer, Vize-Kammerchef der Ärzte: „Bis jetzt ist keine einzige Bewerbung eingetrudelt.“ Mitterdorfer vermutet die fehlende Berechtigung zum Führen einer Hausapotheke als Ursache des Desinteresses. In der Tat unternehmen die Pharmazeuten aus Sorge um wirtschaftliche Einbußen alles, um den Medizinern Hausapotheken zu vergällen.

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Bis jetzt ist keine einzige Bewerbung eingetrudelt!

Klaus Mitterdorfer

Pensionierungswelle ist im Gange
Auch die Altersstruktur der Kärntner Hausärzte ist ein Problem. Heuer wurden bereits 51 Stellen ausgeschrieben, so viele wie nie. Denn die Pensionierungswelle bei den Praktischen Ärzten ist voll im Gang. Dabei fällt auf: Es sind gerade ältere Mediziner, die fleißig Dienste schieben, Jüngere schielen eher auf ihre Work-Life-Balance.

Oberösterreichisches Modell übernehmen?
Wie könnte man das immer akuter werdende Problem des Ärztemangels lösen? Einen Vorschlag hat Ärztekammer-Präsidentin Petra Preiss. Im Gespräch mit der „Krone“ schlägt sie vor, das oberösterreichische Modell zu übernehmen. „Man könnte größere Sprengel machen. Zusätzlich bekommen die diensthabenden Medizinerkollegen in Oberösterreich einen Wagen samt Chauffeur des Arbeitersamariterbundes gestellt. Damit fällt anstrengendes Selbstfahren weg.“

Limitierung des Zugangs zum Studium aufheben
Ein weiterer Ansatz kommt von Kabeg-Chef Arnold Gabriel, der vom Bund fordert, für vorerst einmal fünf Jahre die Limitierung des Zugangs zum Medizinstudium aufzuheben und damit zumindest mittelfristig für mehr Ärzte zu sorgen.

TK sieht das ähnlich
Eine Idee, die auch TK-Obmann Gerhard Köfer in einer Aussendung verfolgt. „Nicht einmal zehn Prozent der Interessenten erhalten in Österreich einen Studienplatz. Angesichts des dramatischen Ärztemangels habe ich kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung weiterhin an nur 1740 Studienplätzen für ganz Österreich festhält.“

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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