08.10.2021 05:55 |

Neue Modelle gefordert

Ärztedienste: Das System steht vor dem Kollaps

Neben dem gestern in der „Krone“ aufzeigten Ärztemangel in den Spitälern gibt es ein weiteres akutes Problem: An den Wochenenden finden sich, vor allem in Oberkärnten, kaum noch Mediziner, die sich in die Dienstlisten eintragen. Folge ist eine dramatische Unterversorgung, das System steht vor dem Kollaps.

Die Zahlen, die Kärntens Ärztekammer-Vizedirektor Klaus Mitterdorfer nennt, sehen auf den ersten Blick gut aus: „Wir haben in Kärnten 470 Kassenärzte, davon 263 Allgemeinmediziner. Mit den Wahlärzten zusammen kommen wir auf 1200 niedergelassene Ärzte in unserem Bundesland.“

Ganz Oberkärnten war ohne ärztliche Versorgung
Wer freilich glaubt, damit könnte an Wochenenden ein funktionierendes Bereitschaftsdienstsystem aufrecht erhalten bleiben, der irrt. Am vergangenen Wochenende war praktisch ganz Oberkärnten samt der Bezirksstadt Spittal an der Drau ohne ärztliche Versorgung. In Unterkärnten ist die Situation an Samstagen und Sonntagen derzeit noch etwas besser. Unter dem Strich waren in Kärnten 26 von insgesamt 39 Sprengeln unbesetzt.

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Es ist allerhöchste Zeit, das gesamte System neu zu planen. So wie jetzt ist das keine effiziente Versorgung mehr. Der Hut brennt!

Ärztekammer-Präsdentin Dr. Petra Preiss

Umfassende Beschwerden
Petra Preiss, streitbare Präsidentin der Kärntner Ärzte, kennt die Lage: „Das ist keine effiziente Versorgung mehr, wir warten auf die Beschwerden aus der Bevölkerung.“ Die Beschwerden seien derzeit noch nicht sehr laut und umfassend, weil die sogenannten Covid-Visitendienste jene Sprengel mitbetreuen, die ohne Mediziner dastehen. Preiss: „Doch die Kollegen sind am Limit. Es gibt ganze zwei Covid-Ärzte für Kärnten, die im Ernstfall die fehlenden Bereitschaftsdienste abfedern.“

Das System muss neu geplant werden
Für die Chefin der Mediziner ist eines klar: „Am Ende dieses Jahres muss alles evaluiert werden. Es ist allerhöchste Zeit, das System neu zu planen.“ Ein System vor dem Kollaps? „Nicht überall, prinzipiell schon.“

Neuregelung schreibt Freiwilligkeit fest
Akut wurde der Mangel an Bereitschaftsärzten auch mit der Neuregelung vom 1. Jänner 2020, die die Freiwilligkeit der Dienste festschrieb. An den Verdienstmöglichkeiten kann es jedenfalls nicht liegen. Zu einer Pauschale von rund 500 Euro für den Dienst von 8 bis 18 Uhr an einem Samstag oder Sonntag kommt noch die Honorierung der einzelnen Leistungen. Das bestätigt auch Präsidentin Preiss: „Wenn jemand in so einem Dienst viel zu tun hat, verdient er schön.“ Morgen sollen mögliche Lösungsansätze folgen.

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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