Täter-Opfer-Umkehr

Bürger planen Demo für verurteilten Bürgermeister

Siebeneinhalb Jahre Haft für Jürgen Höckner. Einen Großteil der Gemeindebürger von Scharten in Oberösterreich lässt das nicht rechtskräftige Urteil unbeeindruckt. Sie stehen noch immer hinter dem gefallenen Bürgermeister, wollen am Samstag sogar eine Kundgebung für ihn abhalten. Das Opfer wird zum Sündenbock gestempelt.

Klassische Täter-Opfer-Umkehr nennt die Psychologie das Vorgehen, das die Schuld für einen Übergriff beim Opfer selbst sucht. „Das passiert immer wieder. Ist für uns in der Beratung praktisch Tagesgeschäft. Wir klären, die Frauen deshalb auch darüber auf, dass eine solche Täter-Opfer-Umkehr passieren kann. Sie ist eine Hemmschwelle für Opfer sexueller Gewalt, Anzeige zu erstatten“, erklärt Margit Schönbauer vom Autonomen Frauenzentrum. Sie begleitet diese Frauen von der Anzeige bei der Polizei und durch ein Gerichtsverfahren. Situationen, die für die Opfer sexueller Gewalt zusätzlich belastend und schwierig sind.

Hemmschwelle vor Anzeige
Viele Opfer fragen sich vor dem Schritt zur Anzeige daher: Was passiert dann mit mir? Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum OÖ: „Für Frauen ist es ganz schwierig, nach außen zu gehen. Sie müssen nicht nur die psychische Belastung durch die Tat erleiden, sondern auch wie mit ihnen umgegangen wird.“ Bei der Kritik an Strafen für die Täter werde oft vergessen, dass in Österreich ja ohnehin der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gelte.

Vergewaltigungen nie öffentlich gemacht
Die Konsequenzen waren vielleicht mit ein Grund, warum auch das Opfer in Scharten so lange mit der Anzeige gezögert hat, die Vergewaltigungen nie selbst öffentlich gemacht hat. Sie waren erst als Folge von Höckners Verleumdungsklage gegen die Ex-Mitarbeiter bekannt geworden.

Vorwiegend Frauen angemeldet
Die Schartener haben wenig Mitleid mit der ehemaligen Gemeindeangestellten - wir berichteten. Einzelpersonen haben sich nun zusammengetan und werden am Samstag eine Protestkundgebung auf dem Gemeindevorplatz abhalten. Mehr als 100 Personen, vorwiegend Frauen, haben sich angeblich bereits für die Kundgebung angemeldet.

Claudia Tröster
Claudia Tröster
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Sonntag, 24. Oktober 2021
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