04.10.2021 16:48 |

Geliebte Schokolade

Warum billiger Kakao eine schlechte Nachricht ist

Was gibt es Schöneres, als ein Stück Schokolade zu naschen? Warum es dennoch eine sehr schlechte Nachricht ist, dass Kakao mit 1. Oktober um 18,5 Prozent billiger geworden ist, darüber machen sich mittlerweile auch immer mehr Konsumenten Gedanken - und kaufen bewusst Schokolade von Herstellern, die hier für ein Umdenken eintreten und dieses auch in die Realität umsetzen. Fest steht: Wenn wir eine Tafel Schokolade im Supermarkt bezahlen, landen davon weniger als 7% bei den Kakaobauern, was durch die Preissenkung Anfang Oktober noch weiter verschärft wird.

Entgegen vieler Versprechungen seitens der Hersteller gibt es weltweit immer noch Ausbeutung und Zwangsarbeit im Kakaoanbau. Vor allem etablierte große Schokoladenhersteller auf dem Markt profitieren davon, kritisieren hierzulande etwa auch Politiker der Grünen und der SPÖ die Zustände.

1,5 Millionen Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen
Nachdem jetzt per 1. Oktober der Kakaobohnenpreis um satte 18,5 Prozent gesunken ist, bezahlen den Preis dafür die Kakaofarmer, vor allem in Westafrika. Die Folge: Auch Kinder werden weiterhin zur Arbeit gezwungen. Seit 2001 haben die großen Schokoladehersteller mehrmals versprochen, Kinderarbeit einzudämmen. Doch aktuelle Berichte zeigen, dass allein in Ghana und der Elfenbeinküste heute noch 1,5 Millionen Kinder auf den Kakaoplantagen arbeiten.

Die Kakaobauern in Ghana und der Elfenbeinküste produzieren rund 60 Prozent des weltweit benötigten Kakaos. Kurz gesagt: Ohne ihre Arbeit gäbe es keine Schokolade. Doch viele von ihnen leben in bitterer Armut. Der Global Slavery Index von 2018 bestätigt, dass mindestens 30.000 Menschen Opfer von moderner Sklaverei im Kakaoanbau sind. Die dramatische Preissenkung für Kakao um 18,5 Prozent ab 1. Oktober hat also weitreichende Folgen: Voraussichtlich werden Kakaobauern im Schnitt noch mehr ihres ohnehin geringen Einkommens für die Saison 2021/22 verlieren. Das wird sie noch weiter in die Armut treiben und verschärft die dramatische Lebenssituation von Millionen Menschen.

Niederländer als Vorreiter unter Schokoladeherstellern
Dass es aber auch anders geht, zeigt Tony’s Chocolonely: Der niederländische Schokoladenproduzent gilt als Vorreiter der gesamten Branche. Firmengründer Teun van de Keuken, in den Niederlanden durch die TV-Aufdeckersendung „Keuringsdienst van Waarde“ bekannt, hatte 2004 selbst über die katastrophalen Praktiken im Kakaoanbau recherchiert, 2005 gründete er dann Tony’s Chocolonely. „Diese Preissenkung auf Kosten der Ärmsten ist eine Schande, sie ist unmenschlich und grausam. Sie dient nur der Profitmaximierung der Big Player“, findet Niki Huemer, Country Manager für den DACH-Raum bei Tony‘s harte Worte. Der Schoko-Hersteller bekomme eigenen Worten zufolge „jeden Tag mehr Unterstützung von Konsumenten, die sich am Regal für Gerechtigkeit und gegen Ausbeutung entscheiden“.

Das niederländische Unternehmen fordert deshalb die gesamte Schokoladenindustrie dazu auf, Kakaobauern den Living Income Reference Price (LIRP) zu zahlen - also jenes errechnete Einkommen, von dem alle Farmer tatsächlich leben können. Tony’s Chocolonely zahlt zudem neben der Fairtrade-Prämie und dem Fairtrade-Mindestpreis noch eine weitere Prämie - die Tony’s-Prämie. Sie sichert laut Angaben des Unternehmens „den Kakaobauern ein regelmäßiges und faires Einkommen“. Diese zusätzliche Prämie erhöht der Schoko-Hersteller für die kommende Haupterntesaison 2021/22 von pro Tonne Kakao 462 US-Doller (das sind bereits 26 % über dem Farmgate-Preis) auf 793 US-Dollar (54 % über dem Farmgate-Preis). Der sogennaten Farmgate-Preis ist der staatlich festgelegte Ankaufspreis auf den Plantagen.

Debatte um Lieferkettengesetz in Österreich
In Wien fand im Kampf gegen moderne Sklaverei und illegale Kinderarbeit im Kakaoanbau erst Anfang September eine von dem niederländischen Schoko-Hersteller iniitierte Diskussionsrunde mit Experten und Aktivisten, darunter Lena Schilling, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz Österreich und Nunu Kaller, Autorin und Nachhaltigkeitsberaterin statt. Auf der Agenda stand dabei auch das derzeit in Österreich heißt diskutierte Lieferkettengesetz. Soziale Ungleichheit herrscht nämlich nicht nur in der Schokoladen-Industrie, sondern in vielen Branchen produzierender Unternehmen.

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