19.09.2021 15:15 |

„Es gab Lügen“

Macron will im U-Boot-Streit mit Biden reden

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will im Streit um einen geplatzten U-Boot-Verkauf an Australien in den kommenden Tagen mit US-Präsident Joe Biden telefonieren. Australien hatte im Zuge eines Dreierpakts mit den USA und Großbritannien den Bau atomgetriebener U-Boote vereinbart und dafür einen 56-Milliarden-Euro-Vertrag aufgekündigt. Frankreich beorderte deshalb seine Botschafter aus den USA und Australien zu Beratungen heim. „Es gab Lügen, es gab Doppelzüngigkeit, es gab einen starken Vertrauensbruch“, auch der Respekt fehle.

„Es gab Lügen, es gab Doppelzüngigkeit, es gab einen starken Vertrauensbruch“, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Samstag im Sender France 2. „In einer richtigen Allianz redet man miteinander und respektiert sich. Das war nicht der Fall.“ Das belaste auch das neue strategische Konzept der NATO, das beim nächsten Gipfel 2022 in Madrid besprochen werden sollte. Bis auf Australien gehören alle Beteiligten zu der westlichen Allianz.

„Können nicht in diese schädliche Richtung gehen“
Man müsse nun auch die Stärke der Allianz mit den USA hinterfragen, so Le Drian. Europa müsse seine Interessen nach dem Fall Afghanistans an die Taliban und dem U-Boot-Streit besser schützen. „Wenn die Europäer nicht merken, dass sie sich zusammentun und gemeinsam ihre Interessen verteidigen müssen, wenn sie Teil der Geschichte bleiben wollen, dann wird ihr Schicksal ein ganz anderes sein. Und wir können nicht in diese schädliche Richtung gehen.“

Allianz gegen China vermutet
US-Präsident Biden, Australiens Regierungschef Scott Morrison und der britische Premierminister Boris Johnson hatten eine neue Allianz gegen sich „rasch entwickelnden Bedrohungen“ verkündet, die sich offensichtlich gegen China richtet. Dazu gehört der Schwenk Australiens zur Beschaffung atomgetriebener U-Boote mithilfe der beiden Partner. Frankreich hätte Boote geliefert, die mit Diesel und Strom angetrieben werden.

Großbritannien verteidigt Dreierbund
„Freiheiten müssen verteidigt werden, daher bauen wir starke Sicherheitsbeziehungen in aller Welt auf“, sagte die neue Außenministerin Liz Truss im „Telegraph“ (Sonntag). Neben Atom-U-Booten wolle man mit Australien und den USA auch den militärischen Einsatz künstlicher Intelligenz ausbauen. Zuvor hatte die US-Regierung deutlich gemacht, dass sie die Spannungen mit Frankreich beilegen möchte. Malaysia warnte, der Rüstungspakt könne ein atomares Wettrüsten im Indopazifik auslösen.

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