19.09.2021 06:00 |

Pioniere bewiesen Mut

Exotisch und exquisit: Rares aus der Heimat

Immer mehr Produzenten stellen sich der Herausforderung, spezielle Lebensmittel zu kultivieren, die nicht a priori als massentauglich gelten. Und die auch nicht sofort mit Österreich assoziiert werden.

Der Geruch von feuchter Erde und taunassen Blättern liegt über der Ebene des Marchfelds. Stephanie Theuringer stapft in lehmverschmierten Laufschuhen zwischen den Zeilen ihres Artischockenfeldes und begutachtet die grün-violetten Köpfe. Die Ernte ist in vollem Gang, die Abnehmer in der Spitzengastronomie warten bereits ungeduldig auf die nächste Lieferung des Edelgemüses. Seit knapp 20 Jahren widmet sich die sympathische Bäuerin den mediterranen Feldfrüchten, längst ist die Theuringer-Artischocke eine gefragte Spezialität. Das zunächst gewagte Experiment mit einem Nischenprodukt hat sich gelohnt.

Einer solchen Herausforderung stellen sich inzwischen immer mehr heimische Produzenten: Von Reis über Algen und Garnelen bis zu Ingwer und Safran werden ehemals exotische Lebensmittel in heimischer Bio-Qualität regional und umweltfreundlich kultiviert.

Lange Durststrecken bis zum Erfolg
Bis sich Erfolg einstellt, sind oft lange Durststrecken zu bewältigen. So musste auch Theuringer erst herumexperimentieren, welche Sorten auf welchem Boden mit wie viel Sonne und der angemessenen Bewässerung in unseren Breiten so gut heranwachsen, dass sie Top-Früchte tragen. „Artischocken sind nun mal kein Allerweltsgemüse, sie benehmen sich wie eine Diva“, lacht die innovative Landwirtin.

Mit einer launischen Nutzpflanze machten auch Adele und Franz Fuchs aus Klöch in der Südoststeiermark Furore. Im Jahr 2010 begannen sie, Reis anzubauen - neben heimischen Pflanzen wie Käferbohnen, Mais und Kürbis. Lange war nicht klar, welches Saatgut überhaupt aufgehen würde. Die erste Ernte fand in einer einzigen Scheibtruhe Platz. Mittlerweile arbeiten die Fuchsens mit anderen Landwirten zusammen, die sich ebenfalls dem Reis im Trockenanbauverfahren verschrieben haben. Die kultivierte Fläche beträgt aktuell mehr als 50 Hektar, der Ertrag könnte dieses Jahr bei 150 bis 200 Tonnen liegen.

Vor Kurzem eröffneten die Pioniere (es gibt inzwischen auch Reisbauern im Burgenland, in Nieder- und Oberösterreich) eine moderne Reismanufaktur, eine Aufbereitungsanlage, wo die vorgetrockneten Körner gereinigt, geschält, poliert und verpackt werden können. „Wir verarbeiten unsere Ernte also frisch und ohne lange Transportwege“, erklärt das Ehepaar Fuchs. „Und wir kommen damit dem Gedanken nach Regionalität und Originalität entgegen.“

Garnelen frisch aus Österreich
Ein Projekt, das auch anfangs belächelt wurde, war die in Österreich erste Aufzucht von White-Tiger-Garnelen in Hall in Tirol. Ja, diese edlen, teuren Krustentiere aus tropischen Sumpfgebieten haben es Daniel Flock und Markus Schreiner angetan. Die Jungunternehmer nützen das mineralreiche Wasser aus den Bergen, das in Kombination mit Meersalz in Becken geleitet wird, worin die Garnelen bei einer Temperatur von 28 Grad herumschwimmen. Gefüttert werden sie mit einer ausgeklügelten Mischung aus Algen Fischmehl und pflanzlichen Nährstoffen. Die Qualitätsmerkmale für eine stressfreie Aufzucht? Ein harter und glasiger Panzer und körperlange Fühler.

Seit wenigen Monaten werden auch in Edlach bei Rottenmann in der Steiermark in einem nachhaltigen und innovativen Kreislaufsystem Gebirgsgarnelen (Blaue Garnele, White-Tiger-Garnele) gezüchtet - ganz natürlich, ohne Antibiotika, Hormone und jegliche Chemie.

Hinter dem Unternehmen White Panther steht die Ingrid-Flick-Privatstiftung, die ursprünglich auf dem Forstbetrieb die Abwärme eines Holzgaskraftwerkes nicht vergeuden wollte. Der Output der Aquakulturanlage: rund 62 Tonnen, das sind etwa 50 Millionen Stück. Schon nach kürzester Zeit fanden diese exquisiten Krustentiere ob ihrer cremig-festen Textur sowie ihres nussigen, leicht süßlichen Geschmacks ihre Abnehmer, wenngleich diese feinen Delikatessen logischerweise ihren Preis haben.

Adressen der Produzenten

Superfood Spirulina gedeiht in Österreich prächtig
Mit aktuellen Themen wie gesunder Ernährung und Regionalität setzte sich ebenso Karl Pfiel auseinander. Der Kraftsportler und Bauer machte sich einst, wie er selbst sagt, „auf die Suche nach dem Essen der Zukunft“ und fand schließlich nach intensiver Forschung die Antwort in der Mikroalge Spirulina, einer der nährstoffreichsten Pflanzen der Welt. Üblicherweise kommt dieses sogenannte Superfood aus dem fernen Asien, wo es teils unter fragwürdigen Bedingungen gezüchtet wird. Seit 2015 steht nun die Algenfarm Spirulix in Reidling in NÖ. Spirulina wächst und gedeiht hier prächtig.

Nach der Ernte landen die kostbaren Algen in Crackern, im Müsli oder sie werden mit Kakao und Hanf zu Nougat verarbeitet.

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Karin Schnegdar
Karin Schnegdar
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