11.09.2021 06:02 |

Zurück aus Babypause

Raab will „Allianz gegen politischen Islam“

Im Juli brachte Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) ihr Baby zur Welt, jetzt ist sie zurück auf dem politischen Parkett. Im „Krone“-Interview verrät sie den Namen des Kleinen, sie spricht über Fake News, Afghanen in Österreich und ihre Pläne auf europäischer Ebene gegen den politischen Islam.

Krone: Frau Minister, wie geht es Ihnen nach der Babypause, und wie fühlt es sich an, wieder zurück in der Politik zu sein?
Susanne Raab: Ich habe den Sommer und die Zeit mit der Familie wahnsinnig genossen. Aber ich freue mich auch und bin voller Energie im Amt. Wir haben viel zu tun.

Wie organisieren Sie Ihren Alltag zwischen Baby und Spitzenpolitik?
Es ist eine große organisatorische Herausforderung. Wir planen jeden Tag genau durch, mein Mann ist ja in Karenz, er besucht mich mit Benedikt, so heißt unser Kleiner, sooft es geht. Die beiden werden mich auch auf Termine begleiten.

Sie haben gesagt, es gebe viel zu tun. Bevor wir zur Integration kommen, eine Frage an die Frauenministerin: Wie geht es Ihnen, wenn Ministerinnen sich nach der Geburt eine Pause nehmen – so wie Sie, Alma Zadic oder Elisabeth Köstinger –, die Väter werdenden Männer in der Regierung – Gernot Blümel und Kanzler Sebastian Kurz – aber nicht einmal einen Papamonat nehmen? Sind Männer unentbehrlicher als Frauen?
Nein, natürlich nicht, aber das ist eine höchst persönliche Entscheidung. Jede Familie soll das so machen, wie es am besten geht und sie es gern möchte.

Bundeskanzler Kurz hat im Puls24-„Sommergespräch“ gesagt, dass die Integration der afghanischen Community besonders schwierig ist. Woher stammt diese Diagnose?
Das ist tatsächlich so. Es gibt in dieser Gruppe große Herausforderungen, etwa, was das Frauenbild betrifft. Nur jede zweite afghanische Frau ist im Arbeitsmarkt integriert, es gibt Studien, die besagen, dass mehr als die Hälfte der afghanischen Männer in Österreich der Meinung sind, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit verschleiern sollen. An diesem Wertefundament müssen wir arbeiten. Eine weitere Herausforderung ist das Bildungsniveau, viele der Afghanen, die nach Österreich gekommen sind, haben maximal Grundschulniveau.

Gerade jetzt hätte Österreich die Chance, gut ausgebildete Menschen ins Land zu holen. In Afghanistan sind Frauen ganz besonders bedroht – Politikerinnen, Richterinnen, Journalistinnen, Frauenrechtsaktivistinnen, sie alle müssen unter der Taliban-Herrschaft um ihr Leben fürchten.
Klar ist, dass man helfen muss. Das Regime der Taliban ist islamistisch und frauenfeindlich. Bei unserer Hilfe setzen wir einen speziellen Frauenschwerpunkt. Unser Zugang ist: Wir helfen vor Ort, denn Österreich hat schon viel geleistet. Meine Aufgabe als Frauen- und Integrationsministerin ist es, jene Frauen zu stärken, die bereits in Österreich leben.

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Meine Aufgabe als Frauen- und Integrationsministerin ist es, jene Frauen zu stärken, die bereits in Österreich leben.

Strikt auf ÖVP-Linie: Raab lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan ab.

Viel Kritik gab es an der Islam-Landkarte, da war die Rede von Stigmatisierung und Hetze, Rechtsextreme haben selbst gemalte „Warnschilder“ aufgehängt. Halten Sie weiterhin an der Karte fest?
Absolut. Ich bin davon überzeugt, dass es der richtige Zugang ist, dass wir gemeinsam mit der Wissenschaft Transparenz schaffen. Ich möchte Österreich als Kompetenzzentrum gegen den politischen Islam entwickeln. Wir werden die Vernetzung stärken und in den nächsten Wochen eine europäische Allianz gegen den politischen Islam ins Leben rufen.

Wie soll diese Allianz genau aussehen?
Es ist wichtig, dass wir uns grenzüberschreitend verständigen. Vielfach sind ähnliche Akteure tätig, die gilt es zu benennen. Und es geht darum, Wissen zusammenzutragen, etwa über Hassprediger, die in mehreren Ländern aktiv sind. Es wird eine Fachtagung in Wien geben, ich werde auch in andere Länder reisen, um die Allianz zu stärken, Ministerkollegen werden nach Wien kommen.

Die Regierung will die Impfquote erhöhen. Viele Junge sind jedoch skeptisch, auffallend viele junge Frauen, oft mit Migrationshintergrund, wollen sich nicht impfen lassen. Wie erreicht man diese Menschen?
Wir werden hier im Kampf gegen Fake News einen Schwerpunkt setzen. Verbreitet ist etwa die Angst vor Unfruchtbarkeit, da muss man aufklären, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Corona-Impfung und Infertilität gibt. Ich selbst habe mich in der Schwangerschaft impfen lassen. Mein Appell an alle ist, sich nicht nur über die sozialen Medien zu informieren, sondern mit dem Arzt, der Ärztin zu sprechen.

Doris Vettermann
Doris Vettermann
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