07.09.2021 13:34 |

Verweis auf Studien

„Macht nicht unfruchtbar“: Ärzte gegen Impf-Mythen

Die Angst, die Corona-Impfung könnte die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, macht vielen jungen Frauen zu schaffen. Das zeigten zuletzt mehrere Umfragen. Falschinformationen im Internet befeuern diese Bedenken und sorgen für noch mehr Unsicherheit. Österreichische Gynäkologen widersprechen diesen Gerüchten entschieden: Weder mache die Impfung unfruchtbar, noch führe sie zu mehr Fehl- oder Totgeburten bei geimpften Schwangeren.

So betonte Elisabeth Schadensteiner, Gynäkologin in Linz, am Dienstag im Ö1-Radio, dass sie ihren Patientinnen sage, „dass diese Impfung nicht unfruchtbar macht, genauso wie ein Schnupfen und andere Infekte nicht unfruchtbar machen“. Sie nehme Bedenken zwar ernst, gleichzeitig sei aber wichtig, dass man ihr als Fachärztin vertraut und nicht dem Internet: „Die Patientinnen informieren sich auf Google und können natürlich nicht erkennen, welche Informationen einen wissenschaftlichen Hintergrund haben und welche bloß Behauptungen sind. Die Menge an Behauptungen ohne irgendeinen fundierten Hintergrund hat einfach zugenommen.“

Angst vor Schädigung der Plazenta unbegründet
Ein Gerücht ist, dass durch den Impfstoff im Körper Proteine erzeugt werden, die denen in der Plazenta ähneln und sie dadurch schädigen könnte. Zwar ähneln bestimmte Stoffe einander, identisch sind sie aber keineswegs. Die Gefahr, dass die Antikörper sich gegen die Plazenta richten, die das ungeborene Kind versorgt, besteht also nicht, so die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

„Kein Hinweis“ auf Einfluss der Impfung auf Fruchtbarkeit
Es gebe etwa auch bei künstlichen Befruchtungen keine unterschiedlichen Schwangerschaftsraten zwischen Geimpften und Ungeimpften, betont Petra Pateisky, Gynäkologin am AKH, im Gespräch mit Ö1 und verweist auf zahlreiche Studien: „Da gibt es absolut keinen Hinweis darauf, dass das der Fall ist.“ Auch Studien speziell zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ergeben: Diese haben keine negativen Folgen für die Fruchtbarkeit, noch gebe es Hinweise auf mögliche Komplikationen.

Auch was Fehlgeburten angeht, ergibt sich das gleiche Bild: Eine Studie mit 4000 Frauen zeigt, dass es keinen Anstieg bei den Fehl- oder Totgeburten bei Geimpften gibt. Als Grund dafür, dass sich der Mythos der Impfung, die unfruchtbar mache, so hartnäckig hält, vermutet Pateisky Angst. Diese sei eben eine starke Emotion. An der Diskussion würden sich viele Menschen ohne konkretes Wissen beteiligen, so Pateisky.

Expertin: Ärzte sollen Bedenken ruhig ansprechen
Die Gynäkologin äußerte aber Verständnis für Frauen, die verunsichert sind, denn auch für Fachleute sei es nicht einfach: „Mir ist zum ersten Mal in meiner beruflichen Laufbahn bewusst geworden, wie komplex und schnelllebig neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind und wie schwierig es ist, diesen Erkenntnissen zu folgen und diese auch zu prüfen. Dahin gehend verstehe ich es, dass es schwierig ist, einen Überblick zu behalten.“ Als Arzt oder Ärztin müsse man solche Bedenken ruhig ansprechen. Pateisky appelliert, sich eine medizinische Vertrauensperson in einer Praxis zu suchen - nicht im Internet.

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