Liebe zu Kriminellen

Paris - Mexiko: Diplomatieeklat um "Bandenbraut"

Ausland
16.02.2011 10:23
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Mexiko liegen auf Eis. Auslöser ist eine Französin, die mit einem berüchtigten mexikanischen Bandenchef zusammen war. Mexiko wirft Florence Cassez vor, eine "Bandenbraut" zu sein, sich an den Verbrechen ihres Liebhabers beteiligt zu haben - und lässt sie seit Jahren dafür büßen. Nun führt der Fall auch in der Politik zu Kontroversen.

Eigentlich sollte 2011 in Frankreich ein "Mexiko-Jahr" mit Ausstellungen und mehr als 300 kulturellen Veranstaltungen begangen werden. Die Eltern der in Mexiko inhaftierten Französin baten Präsident Nicolas Sarkozy jedoch, angesichts des Schicksals ihrer Tochter darauf zu verzichten.

Sarkozy entschied anders: Das Jahr sollte beibehalten werden, schließlich sei es Ausdruck der Freundschaft zwischen Mexikanern und Franzosen. Aber er wolle dieses Jahr Florence Cassez widmen, fügte er hinzu - womit er die Mexikaner erst recht in Rage brachte. Mexikos Regierung kündigte die Streichung der Veranstaltungen in Frankreich an. Und die beteiligten Künstler verurteilten unisono Sarkozy, er habe Mexiko beleidigt, indem er das Kulturjahr Cassez widme. Das Außenministerium teilte in Mexiko-Stadt mit, dass es sich nicht mehr am Mexiko-Jahr in Paris beteiligen werde.

Liebe macht blind
Die heute 37 Jahre alte Florence war 2003 ihrem Bruder nach Mexiko gefolgt und hatte zunächst in dessen Unternehmen gearbeitet. Bald danach lernte sie den Mann kennen, der ihr zum Verhängnis wurde: Israel Vallarta (beide im Bild, am Tag der Verhaftung). Offiziell arbeitet der Mexikaner in einer Autowerkstatt, doch wie sich später herausstellte, verdiente Vallarta sein Geld mit Verbrechen wie Entführungen und Erpressungen.

Die mexikanische Justiz hält die Französin für eine Komplizin von Vallarta. Sie wurde 2008 zu 96 Jahren Haft verurteilt, die Strafe wurde später jedoch auf 60 Jahre reduziert.

Unschuld immer wieder beteuert
Die Französin, die mittlerweile seit fünf Jahren in Haft sitzt, hat von Anfang an ihre Unschuld beteuert. Als sie im Dezember 2005 gemeinsam mit Vallarta verhaftet wurde, war das Paar bereits getrennt. Florence bereitete gerade ihren Umzug von Vallartas Landhaus nach Mexiko-Stadt vor und war beim Eintreffen der Polizei nur zum Zusammenpacken auf dem Grundstück.

Ihre Unterstützer verweisen auf zahlreiche Unstimmigkeiten bei der Festnahme und auch während des Prozesses: So wurde ihre Festnahme auf der Ranch ihres Ex-Freundes von der Polizei inszeniert. Das musste selbst Polizeichef Genaro Garcia Luna später eingestehen. Einer der Zeugen räumte nämlich ein, unter Folter zu einer Aussage gegen die Französin gezwungen worden zu sein.

Auslieferungsantrag aus politischen Gründen abgelehnt
Frankreich forderte von Anfang an die Auslieferung Cassez', auch Präsident Felipe Calderon stimmte zunächst zu, entschied sich jedoch angesichts bevorstehender Wahlen dann doch gegen eine Überstellung nach Frankreich. Solch ein Schritt hätte kurz vor den Parlamentswahlen nicht gut ausgesehen für seine Partei, berichteten mexikanische Medien.

Offiziell argumentierte Mexiko, dass die Verurteilte auf diese Weise ihrer Strafe entgehen könnte. Seit vergangenem Donnerstag sind nun auch offiziell alle Rechtsmittel für Cassez ausgeschöpft, denn ein mexikanisches Gericht wies eine Verfassungsbeschwerde zurück.

Angst, in Vergessenheit zu geraten
"Florence war die ganze Zeit schon eine politische Geisel, nun ist sie auch noch zum Sündenbock geworden", klagt ihr Anwalt Franck Berton. Er sieht nur noch einen Ausweg: ein Klage wegen Beweisfälschung vor dem interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen den Minister für öffentliche Sicherheit, García Luna, der zugleich oberster Polizeichef ist.

Indes fürchtet die Französin, dass ihr Fall in der Öffentlichkeit in Vergessenheit gerät und sie von der mexikanischen Justiz schikaniert und von dem derzeitigen Frauengefängnis in einen Hochsicherheitstrakt verlegt werde. Frankreichs Außenministerin Michele Alliot-Marie sprach den Eltern unterdessen Mut zu: "Wir geben nicht auf, wir fordern weiterhin ihre Auslieferung."

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele