Wiener Forschung

Artenvielfalt bei Laternenhaien größer als gedacht

Wissenschaft
03.02.2011 14:42
Deutlich vielfältiger als angenommen ist die Familie der Laternenhaie (Etmopteridae). Die Tiefseebewohner sind bislang kaum erforscht worden. Jetzt suchen Wissenschaftler nach äußerlichen Merkmalen zur Unterscheidung dieser Arten, um Daten zu Populationsgrößen und Vorkommen zu sammeln und Schutzmaßnahmen zu erarbeiten.

Untersuchungen der Laternenhaie durch Wissenschaftler der Uni Wien haben nun gezeigt, dass eine Gruppe sehr ähnlicher Laternenhaie nicht wie bisher nur in zwei, "sondern in fünf bis zehn, vielleicht sogar mehr Arten einzuteilen ist", wie Jürgen Kriwet, Leiter des Instituts für Paläontologie der Uni Wien, erklärte.

Laternenhaie leben üblicherweise in einer Tiefe von mehr als 200 bis über 2.000 Metern. Entsprechend wenig erforscht sind diese Tiere, die selten eine Körperlänge von einem Meter überschreiten. Mit bisher 43 bekannten Arten zählen die Laternenhaie zu der diversesten Gruppe aller Tiefseehaie.

Kriwet hat diese Fischgruppe gemeinsam mit Münchner Kollegen untersucht und die Ergebnisse nun im Fachjournal "Zoologica Scripta" veröffentlicht. Bei den molekulargenetischen Untersuchungen zeigte sich die hohe Artenvielfalt der untersuchten Hai-Gruppe, ein Phänomen, das die Wissenschaftler "kryptische Diversität" nennen.

Leuchtfelder auf Kopf und Bauch
Ihren Namen haben die Fische von speziellen biolumineszenten Feldern auf der Körperoberfläche, vor allem auf der Bauchseite sowie auf der hinteren Körperseite. Die Form der seitlichen Felder ist bei den bisher bekannten Arten jeweils ganz spezifisch, betonte Kriwet. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die in völliger Dunkelheit lebenden Fische diese Flecken zum Anlocken und Erkennen von geeigneten Sexualpartnern benötigen.

Die Laternenhaie weisen sich zudem durch ihre Langlebigkeit, späte Geschlechtsreife und sehr langsame sowie geringe Reproduktionsraten aus - Eigenschaften, die sie besonders gefährden. Die Tiere werden zwar nicht gezielt befischt, stellen aber nach Angaben der Forscher einen großen Anteil des Beifangs der Garnelen und Kaiserbarschfischerei dar. Als Beifang werden sie entweder nur zu Fischmehl verarbeitet oder wieder über Bord geworfen. Laternenhaie sind deshalb durch die immer mehr expandierende Tiefseefischerei vom Aussterben bedroht.

Daten sollen helfen, die Haie zu schützen
Bisher fehlten allerdings verlässliche Daten über die Verbreitungsmuster einzelner Arten und Größe von Populationen. Die Wissenschaftler arbeiten deshalb an einem Bestimmungsschlüssel, der den Fischern eine einfache Feststellung der verschiedenen Arten ermöglichen soll. Damit sollen Daten über Diversität, geographische Verbreitung und Populationsstruktur gesammelt werden können. Nur so könnten sinnvolle Schutzmechanismen für Laternenhaie wie Schutzzonen während der Fortpflanzungsphasen, Beifang-Quoten, etc. erarbeitet werden.

Foto: J. Kriwet/N. Straube, Universität Wien

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