02.05.2021 13:01 |

Nach 9. Frauenmord

Grüne wollen Gewalt-Problem „an der Wurzel“ packen

Nach dem brutalen Mord an einer Frau in Wien ist der Ruf nach Handlungen der Politik unüberhörbar geworden. Sozial- und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein und Klubobfrau Sigrid Maurer (beide Grüne) haben am Sonntag die Wichtigkeit betont, die Probleme schon an der Wurzel zu packen. Sie haben daher eine Infokampagne angekündigt, um „falsche Männerbilder“ zu durchbrechen und Männerberatungsstellen bekannter zu machen.

„Wir wollen nicht die Symptome behandeln, sondern die Wurzeln“, sagte Mückstein. Er berichtete von Erlebnissen, die er als Arzt gemacht hatte. Er habe Frauen erlebt, „die die Treppe heruntergefallen und drei Monate später gegen den Türstock gelaufen sind“, sagt er. Viele hätten sich nicht getraut, eine Anzeige zu machen.

Deutlich lehnte er es ab, Frauen eine Mitschuld an Gewalttaten von Männern zu geben oder Liebe als Grund anzugeben. Auch die Situation in der Corona-Pandemie könne nie eine Rechtfertigung sein. „Wenn ein Mann seine Frau schlägt, wenn ein Mann seine Frau umbringt, ist es zu 100 Prozent seine Verantwortung.“ Opferschutz müsse an erster Stelle stehen. Dabei müsse man auch an die Kinder denken, die direkt oder indirekt betroffen seien. 

Maurer: Hass beginnt oft mit der Sprache
Mückstein und Maurer machten beide klar, wie wichtig es sei, die Mechanismen hinter der Gewalt zu verstehen, die letztendlich sogar zu Mord führen könnten. Denn der Hass beginne oft im Kleinen, auch schon mit der Sprache, betonte Maurer. So habe man an den Frauenmorden in den vergangenen Monaten beobachten können, wie Männer und schon Burschen mit dem Gefühl aufwachsen würden, dass sie ihre Frauen und Freundinnen „besitzen“ würden. „Selbstverständlich ist es keineswegs so, dass eine abwertende Behauptung gleich zu Gewalt führt. Aber es gibt Anzeichen dafür, wenn Männer gefährlichen Hass entwickeln“, sagte Maurer. Hier sei es wichtig, zu reagieren. 

Prävention von Gewalt als Schlüssel
Darum sei die Prävention von Gewalt so wichtig, bekräftigte der Gesundheitsminister. In Männerschutzeinrichtungen könnten Männer Hilfe suchen, was Gewaltprävention und Krisenmanagement angeht. Jeder kenne Frustration und Angst, gerade auch in der Corona-Pandemie, so der Gesundheitsminister. Wenn diese aber in Gewalt und Hass umschlagen würde, liege das in der Verantwortung des Mannes. „Wer in diesem Moment zuschlägt, zeigt Schwäche. Wer Hilfe sucht, zeigt Stärke“, sagte Mückstein.

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Wer zuschlägt, zeigt Schwäche. Wer Hilfe sucht, zeigt Stärke.

Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne)

„Es geht um Männer, die Frauen töten“
Zum Mord von Donnerstagnacht, dessen mutmaßlichen Täter - den berüchtigten „Bierwirt“ - Maurer aus dem Gerichtssaal kennt, wollte die Klubobfrau nichts weiter sagen: „Es geht hier nicht um mich, es geht darum, dass Männer Frauen töten und was wir als Politik da machen können.“

Maurer verwies auf bereits erfolgte Maßnahmen, die die türkis-grüne Koalition bereits beschlossen hat: So sei das Frauenbudget und das Budget für Opferschutzeinrichtungen erhöht worden. Zusätzlich sei die Frauenhelpline ausgebaut worden. Maurer lobte auch den Ausbau der psychosozialen und juristischen Prozessbegleitung, für den die grüne Justizministerin Alma Zadić gesorgt habe. 

Sicherheitsgipfel am Montag
Sie dankte Familienministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP) für den für Montag angekündigten Sicherheitsgipfel, bei dem mit den neun Landespolizeidirektoren und Landeskriminalamtsleitern über Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt beraten werden solle. Es gehe darum, dass sich die Polizei mit Opferschutzstellen besser vernetze um potenziell gefährliche Situationen besser einschätzen zu können. 

Die generellen rechtlichen Instrumente bei Fällen von häuslicher Gewalt halten Mückstein und Maurer für ausreichend, man müsse sie nur stärker nutzen. Das würden auch Opferschutzeinrichtungen so einschätzen. 

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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