19.04.2021 13:32 |

„Festkonzert geplant“

Wiener Philharmoniker verteidigen Impfaktion

Für Misstöne sorgten kürzlich die Wiener Philharmoniker: Zu Beginn der Vorwoche erhielten 95 Mitglieder des Orchesters die erste Impfung. Dies sorgte für viel Kritik, auf welche das Spitzenorchester nun reagierte: Es gehe darum, international spielfähig zu bleiben und Pönalstrafen durch Ausfälle zu entgehen, so die Begründung. Außerdem stünde ein großes Festkonzert zu Ehren von Riccardo Mutis 80. Geburtstag an, das zu den wichtigsten Konzertereignissen des Jahres gehöre.

So hatte ein Solomusiker der Philharmoniker in einem offenen Brief an die Orchestermusiker dezidiert gewarnt. „Gute Privatkontakte zu nutzen, um wie auch immer geartete Vorteile legal zu erlangen mag durchaus legitim sein, wohingegen ich die Art und Weise das öffentliche Ansehen unseres Vereines zu gefährden und aufs Spiel zu setzen, für eine vereinsschädigende, kurzsichtige und unfassbare Fehlentscheidung halte!“, heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben, in dem auf eine Bitte der Führung um „absolute Diskretion und Verschwiegenheit“ verwiesen wird.

Möglicher Imageschaden in Kauf genommen?
„Worin besteht eigentlich der Vorteil und Nutzen einer ‘erhofften‘ großen Teilnahme am Impftermin für unseren Verein? Weder können wir mit Vorteilen für Geimpfte hier in Wien rechnen, noch dürfen wir kundtun, früher als normalerweise möglich geimpft worden zu sein, gehen aber das erhebliche Risiko ein, als ‘die Wichtigen die sich‘s richten können‘ medial zerrissen zu werden? Wird hier bewusst ein möglicher Imageschaden für das Orchester in Kauf genommen um vielleicht drei, vier Monate früher geimpft zu sein?“, heißt es in dem vom 11. April datierten Brief weiter.

Gegenüber der „Presse“ (Montagsausgabe) indes relativierte der betreffende Musiker seine Formulierung. Im Nachhinein hätte er sein Schreiben vielleicht anders formuliert, da die Impfaktion offiziell über die Stadt und damit sauberer als gedacht abgelaufen sei.

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Wir verdienen viel Geld im Ausland, das wir hier versteuern. Wir bringen diesem Land Millioneneinnahmen, netto. Wir haben bisher von den Einnahmeausfällen drei Prozent bekommen.

Geschäftsführer Michael Bladerer

Zahlreiche Einsätze rechtfertigen Impfung
Gegenüber den „Salzburger Nachrichten“ begründete Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer die Impfaktion jedenfalls mit dem besagten Muti-Konzert in der Mailänder Scala am 12. Mai, das in 30 Länder übertragen werde. Und Geschäftsführer Michael Bladerer verwies vor Medienvertretern allgemein auf die zahlreichen Einsätze der Philharmoniker. „Wir verdienen viel Geld im Ausland, das wir hier versteuern. Wir bringen diesem Land Millioneneinnahmen, netto. Wir haben bisher von den Einnahmeausfällen drei Prozent bekommen“, so Bladerer laut „Standard“.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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