10.04.2021 09:55 |

Gewalt in Nordirland

Belfast: Polizisten mit Molotowcocktails beworfen

Seit Tagen wird die nordirische Stadt Belfast von Gewalt erschüttert. „Szenen, von denen viele dachten, sie seien Geschichte", spielten sich ab, bedauerte Irlands Außenminister Simon Coveney, der ein Ende der Gewalt fordert. Auch der mit Prinz Philips Tod verbundene Appell zum Gewaltverzicht verhallte ungehört - auch am Freitagabend kam es wieder zu kriegsähnlichen Ausschreitungen. Randalierer beschossen Polizisten mit Molotowcocktails und Raketen, darüber hinaus bewarfen einige von ihnen die Beamten mit Flaschen sowie Steinen (siehe Video oben). Auch ein Auto und Mülltonnen wurden angezündet.

Zunächst hatte es in Belfast nach einer ruhigen Nacht ausgesehen, so die Nachrichtenagentur PA. Sogenannte Loyalisten - Anhänger des Verbleibs von Nordirland im Vereinigten Königreich - hatten zunächst dazu aufgerufen, die Proteste als Zeichen des Respekts vor der Königin und ihrer Familie nach dem Tod von Prinz Philip zu „verschieben“. Nach einer Trauerzeit sollten die Proteste aber fortgesetzt werden, war auf in Belfast aufgehängten Plakaten zu lesen, wie der „Belfast Telegraph“ berichtete.

Bereits 74 verletzte Beamte
In der britischen Provinz Nordirland kommt es seit mehr als einer Woche zu nächtlichen Krawallen. Am Donnerstag wurden dabei weitere 19 Polizisten verletzt, die Gesamtzahl stieg laut BBC auf 74 verletzte Beamte. Grund für die Spannungen dürfte unter anderem der Sonderstatus der britischen Provinz durch den Brexit sein. Experten befürchten, dass sich die Gewalt weiter zuspitzt.

Video: Demonstranten setzen einen Bus in Brand

Der Sonderstatus Nordirlands, wie er im Brexit-Abkommen festgelegt wurde, stößt in Teilen des protestantisch-unionistischen Lagers auf Widerstand. Die Provinz ist weiter Teil des EU-Handelsraums, um Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland zu verhindern. Stattdessen muss nun zwischen Nordirland und dem übrigen Vereinigten Königreich kontrolliert werden.

Premier: Warnung vor „Spirale“ der Gewalt
Der irische Regierungschef Micheal Martin warnte vor einer „Spirale“ der Gewalt. Für die Generation des Karfreitagsabkommens von 1998 und für die „zukünftigen Generationen“ bestehe die Verpflichtung, nicht in eine „Spirale“ zurückzukehren, die „fanatische Morde“ und „politische Zwietracht“ mit sich bringe.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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