07.04.2021 13:00 |

1 Jahr Corona

Die zermürbende Warterei auf Förderungen

Der Fall eines Vorarlberger Unternehmers zeigt: Die finanziellen Hilfen des Corona-Hilfspakets kommen nicht an - und wenn, dann oft mit Verzögerung. Von „schnell und unbürokratisch“ kann keine Rede sein.

Seit 2008 betreibt Frank Weiser (Name von der Redaktion geändert) ein Mietwagenunternehmen mit Taxikonzession - kein klassisches Taxiunternehmen, vielmehr ein Chauffeurservice für namhafte, weltweit tätige Industrieunternehmen mit Sitz in Vorarlberg. In den meisten Fällen handelt es sich um Airport-Transfers - von Zürich über München bis nach Mailand. Zu den Kunden zählen überdies etliche Hotelbetriebe am Arlberg, die ihren Gästen eine bequeme Anreise bieten wollen. Weiser unterliegt der Sparte Verkehr und war somit seit Beginn der Pandemie nie von einer behördlichen Schließung betroffen. Allein: „Durch die Grenzschließungen und das fast vollständige Erliegen des Flugverkehrs ist meine Geschäftsgrundlage Mitte März 2020 über Nacht weggebrochen. Als die Grenzen im Juni wieder öffneten, kamen die Einreisebestimmungen, was einen regulären Betrieb erneut unmöglich machte“, berichtet er. Hinzu kommt, dass seine Auftraggeber seit Pandemiebeginn wesentlich weniger Mitarbeiter ins Ausland schicken und nur mehr vereinzelt Kunden ins Land kommen - was die Umsätze zusätzlich einbrechen ließ.

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Die Auszahlung der Kurzarbeit ging nur mit großer zeitlicher Verzögerung vonstatten. Und so gern ich meine Mitarbeiter gehalten hätte - ich konnte einfach Löhne und Lohnnebenkosten nicht mehr länger vorschießen

Frank Weiser

Erst Kurzarbeit, dann Kündigungen
Seine Mitarbeiter schickte Weiser zu Beginn in Kurzarbeit. Als sich im Herbst der nächste harte Lockdown abzeichnete, musste er sich jedoch einvernehmlich von ihnen trennen: „Die Auszahlung der Kurzarbeit ging nur mit großer zeitlicher Verzögerung vonstatten. Und so gern ich meine Mitarbeiter gehalten hätte - ich konnte einfach Löhne und Lohnnebenkosten nicht mehr länger vorschießen.“ Den Fixkostenzuschuss I (für 16.3. bis 15.9.2020) hatte er im September beantragt, ausbezahlt wurde dieser aber erst kurz vor Weihnachten - „nach unzähligen Mails und etlichen Stunden in der Warteschleife“, so Weiser. Bei der COVID-19 Finanzierungsagentur GmbH, kurz COFAG, war man um Ausreden nicht verlegen: Mal wurden technische Probleme angeführt, dann war von mühseliger händischer Bearbeitung die Rede und schließlich hieß es, dass man sich den Fall genauer anschauen müsse. Für letzteres hatte Weiser durchaus Verständnis: Er generiert den größten Teil seiner Umsätze im Ausland, jede Fahrt muss Kilometer genau auf die jeweiligen Länder gesplittet werden, dementsprechend werden auch die Steuern abgeführt.

Weiser wartet immer noch auf das Geld
Schlussendlich erhielt Weiser einen vierstelligen Betrag, der nur einen Bruchteil seiner Fixkosten abdeckte. Einerseits, weil lediglich Hilfen für drei der sechs Monate des Betrachtungszeitraums beantragt werden konnten. Andererseits, weil damals weder AfA (Absetzung für Abnutzung) noch Leasingraten als Fixkosten geltend gemacht werden durften. Zwischenzeitlich hat sich das zwar geändert, doch Weiser wartet immer noch auf das Geld: Am 8. Jänner hat er seinen zweiten Antrag eingebracht, nach wie vor ist dieser in Bearbeitung, abermals wurden „technische Probleme“ als Begründung angeführt. „Dass nach über einem Jahr immer noch die Technik schuld sein soll, ist ein schlechter Witz“, ärgert sich der Unternehmer.

Ein Tropfen auf den heißen Stein
Auch der Umsatzausfallersatz (im Idealfall 80 Prozent für den November, 50 Prozent für den Dezember) fiel ausgesprochen mager aus: Konnten diesen anfangs ausschließlich direkt vom Lockdown betroffene Branchen beantragen, wurde Mitte Februar 2021 nachgeschärft, sodass nun auch indirekt betroffene Betriebe einen Antrag stellen können. Da Weiser allerdings nur bei seinen Industriekunden einen Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent hatte, nicht jedoch bei der Hotellerie, konnte er nur einen Ausfallbonus von 15 Prozent beantragen. Bekommen hat er diesen bis heute nicht: Am 22. März wurde ihm per E-Mail mitgeteilt, dass der angeführte Umsatz nicht plausibel sei.
Zumindest der Härtefall-Fonds hat bis dato ohne Probleme funktioniert, wenngleich 1000 Euro monatlich nur ein Tropfen auf den siedend heißen Stein sind. Ans Aufgeben denkt Weiser nicht - noch nicht: „Ich habe mir in über zwölf Jahren ein gut laufendes Unternehmen aufgebaut. Noch hoffe ich, dass nach der Pandemie das Geschäft wieder anziehen wird.“

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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