Die erste Niederlage in der WM-Qualifikation seit 20 Jahren (!) hat Deutschland in eine Schockstarre versetzt. Die peinliche Pleite gegen Nordmazedonien am Mittwoch könnte nun durchaus zu einer vorzeitigen Trennung von Cheftrainer Jogi Löw führen, der nach der EM im Sommer sowieso aufhören wird.
Für die deutsche „Bild“ kann der Abschied des Weltmeister-Coaches von 2014 jedenfalls nicht schnell genug gehen. „Es ist vorbei, Jogi!“, titelt das Blatt in seiner Online-Ausgabe. „Die Fußball-Welt lacht nur noch über uns! Bei einem Bundesliga-Verein würde Löw spätestens jetzt seinen Job verlieren - und das zu Recht!“, schreibt die „Bild“ weiter.
Das Blatt legt dem Bundestrainer den sofortigen Rücktritt nahe, aber „falls Löw das nicht selbst einsieht und schon jetzt gesichtswahrend den Platz freimacht“, müsse der deutsche Fußballverband handeln, „um einen Erfolg bei der Europameisterschaft nicht fahrlässig aufs Spiel zu setzen“.
Am Mittwoch nach der 1:2-Blamage waren bei Löw Durchhalteparolen angesagt. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, gab Löw zu. Und er appellierte an Spieler und Fans gleichermaßen: „Auf keinen Fall dürfen wir jetzt völlig den Glauben verlieren an die Stärke, die die Mannschaft hat.“
Die schmerzhafte Niederlage in Duisburg war im 97. WM-Qualifikationsspiel seit 1934 erst die dritte Niederlage der DFB-Auswahl. Vor Jogi Löw mussten DFB-Teams nur unter Franz Beckenbauer und Rudi Völler auf ihren Wegen zu WM-Endrunden je einmal als Verlierer vom Platz. Im Oktober 1985 unterlag man Portugal in Stuttgart 0:1, im September 2001 gab es in München ein 1:5 gegen England. Beide Male waren die Gegner freilich ganz andere Kaliber, beide Male landete man bei der folgenden WM-Endrunde auf Platz zwei.
Statt mit dem wohligen Gefühl von drei Quali-Siegen Richtung EM zu gehen, ist Löw wie nach dem 0:6 in Spanien schon wieder in Erklärungsnot. In 76 Tagen geht es beim ersten EM-Ernstfall in München nicht gegen einen Außenseiter vom Balkan, sondern gegen Weltmeister Frankreich. Die Rufe nach einem Comeback von Thomas Müller und Mats Hummels als mögliche Stabilisatoren einer unverändert volatilen Mannschaft werden ganz sicher noch lauter werden.
Diese brennende Frage hat für Löw aber weiterhin keine Priorität. „Die Frage ist jetzt heute nicht zu beantworten aufgrund des einen Spiels. Die Frage ist ja auch nicht gestellt worden nach den letzten beiden Spielen. Wir haben gesagt, dass die Entscheidung insgesamt dann im Mai fällt“, wiegelte der 61-Jährige ab.
Vorerst herrscht jedenfalls Sprachlosigkeit. „Viele Worte fallen mir gerade nicht ein“, meinte Ersatzkapitän Ilkay Gündogan, der per Elfer auf 1:1 gestellt hatte (62.). „So eine Niederlage darf nicht passieren. Gefühlt waren die Nordmazedonier zweimal vor unserem Tor und haben zweimal getroffen. Wir sahen bei beiden Toren nicht gut aus. Uns bleibt nichts anderes übrig, als weiterzumachen.“
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