Seit Beginn der Pandemie beobachtet Christine Saahs in ihrer kinderärztlichen Praxis Beunruhigendes. Kinder und Jugendliche seien völlig überfordert. Ihnen müsse dringend geholfen werden, so die Medizinerin.
Die aktuelle Pandemie setzt nicht nur dem Gesundheitssystem und der Wirtschaft schwer zu. Besonders Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Situation, die sie nicht mehr alleine bewältigen können. Die Kremser Kinderärztin Christine Saahs ist alarmiert. Seit vergangenem Jahr besuchen sie verzweifelte Eltern in ihrer Praxis. Die allermeisten davon tun sich schon schwer, mit den eigenen coronabedingten Problemen klarzukommen, geschweige denn mit jenen des Nachwuchses, erzählt die Medizinerin.
Frühkindliche Depressionen steigen rasant, Schüler nässen ihre Betten, entwickeln Schlaf- und Essstörungen. Viele zeigen auch ungewohnte Aggressionen. Von Natur aus zeigen Kinder in ihrer Praxis ein fröhliches Gemüt, sind voll mit Lebenskräften, so Saahs.
Jugendliche werden aus der Bahn geworfen
Dies habe sich seit 2020 eklatant geändert: „Kinder hängen an ihren Müttern, wirken verängstigt, beißen oder schreien.“ Auch Jugendliche leiden: Sie würden aus der Bahn geworfen, müssen im schulischen Alltag alles selbst organisieren, Lehrlinge hätten teils nichts zu tun. Die Folge: Selbstmordversuche, Drogen- und Alkoholmissbrauch.
Nie habe ich so viele frühkindliche Depressionen gesehen. Kinder leiden unter massiven Ängsten, haben Schlaf- und Essstörungen oder zeigen aggressive Verhaltensmuster.
Christine Saahs, Kinderärztin
Die Epidemie ist laut Saahs das „Bild einer weltweiten Erkrankung. Die Welt hat Fieber.“ Das könne nur gelindert werden, indem man aufhöre, die Lebenswelten der Jugendlichen massiv einzuschränken. Saahs fordert, die Kinder nicht mehr zum Schutz anderer zu missbrauchen. Dann sei es möglich, dass vom Nachwuchs in ihrer Praxis keine Sätze mehr kommen wie: „Wenn ich Oma und Opa besuche, dann sterben sie ...“
Kronen Zeitung
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