16.03.2021 06:00 |

Besuch im Impfzentrum

Sorge um AstraZeneca? „Ausgezeichneter Impfstoff“

Tausende sehnen ihn herbei, für die Besucher des Wiener Austria Centers hat sich der Wunsch nach einem Covid-19-Impfstoff bereits erfüllt. krone.tv war beim großen Stechen dabei. Insgesamt wurden im ganzen Land eine Million Dosen verimpft. Großteils wird AstraZeneca verwendet. Sieben EU-Länder, darunter Deutschland, stoppten bereits die Impfungen mit dem umstrittenen Vakzin. Aber im Austria Center Wien (ACW) scheint das kein Thema zu sein. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz hat bereits angekündigt, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen

Die derzeitige Impfgruppe ist groß als Poster auf Containern beim Eingang angebracht: „Lehrpersonal, Feuerwehr und Aktion Auszubildene.“ Verschiedene Stationen in den riesigen Hallen des ACW stellen den reibungslosen Ablauf der Impfung sicher. Von 7 Uhr früh bis 19 Uhr am Abend finden die Impfungen statt - in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Center-Personal, Stadt Wien, Berufsrettung, Feuerwehr und Samariterbund. Mit Terminbestätigung, E-Card, Impf-Fragebogen und Impfpass geht es zur Anmeldung.

„Fragebogen bitte bereithalten.“ Der Herr ist Lehrer und zeigt seine Bestätigung der Schuldirektion. Dann seinen Impfpass. „Sie bekommen von uns einen neuen“, so die Mitarbeiter der Anmeldung. Ob er sich wegen der geplanten AstraZeneca-Impfung Sorgen macht? „Ich bin voller Hoffnung und Zuversicht, dass erstens das Ganze ohne Komplikationen abläuft und zweitens, dass das Leben sicherer und auch besser wird. Da ich prinzipiell ein überzeugter Impf-Heini bin - bin ich auch gegen alles, wogegen man im Mitteleuropa geimpft sein kann, geimpft. Daher erachte ich auch diese Impfung als vernünftig.“

Wenige fragen nach Impfstoff, aber Ohnmachtsanfälle wegen Spritzen
Der Einsatzleiter des Samariterbundes, Benedikt Schwarz, nimmt eine Stimmung der Dankbarkeit wahr: „Viele Menschen fragen nicht danach, welchen Impfstoff sie kriegen ... Die Impfung selber spürt man gar nicht“, versichert er. Starkmachen für die Impfung musste er sich auch nicht. „Auch bei meinen Eltern ist ganz klar: Sobald sie dran sind, gehen sie impfen.“ Und: „Meine Oma ist 90 und wurde schon geimpft. Da gab es nicht das Problem, dass ich jemanden zur Impfung überreden musste.“ Nur ab und zu, so erzählt ein anderer Mitarbeiter, würden Personen mit Spritzen-Phobie in Ohnmacht fallen.

Dr. Susanne Drapalik ist Landeschefärztin beim Wiener Samariterbund. „Derzeit impfen wir AstraZeneca, es werden aber unterschiedliche Lieferungen kommen, auch von Pfizer/Biontech. Sobald die Bewilligung da ist, wird auch mit Moderna geimpft werden.“ Besonders wichtig ist der Chefin, dass jeder Impfstoff gleich gut ist: „Lassen Sie sich nicht abschrecken. AstraZeneca ist ein ausgezeichneter Impfstoff, den ich auch nur wärmstens empfehlen kann. Meine Schwiegertochter, die Lehrerin ist, ist auch Astra-geimpft und ich würde es auch mit der restlichen Familie so machen.“

„Es kann sein, dass Sie morgen arbeitsunfähig sind ...“
„Sie bekommen heute die erste Dosis vom AstraZeneca.“ Beim gesetzlich vorgeschriebenen Aufklärungsgespräch zu möglichen oder sehr wahrscheinlichen Nebenwirkungen kommen abermals der Stempel und der Impfpass zum Einsatz. „Welche Seite haben Sie sich für die Impfung vorgestellt, den rechten oder linken Arm?“ Dann folgt eine Auflistung: „Es kann zu einer Schwellung kommen in den nächsten zwei Tagen, muss aber nicht sein. Es kann auch sein, dass Sie morgen arbeitsunfähig sind und grippeähnliche Symptome haben. Etwa Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Fieber, Magen-Darm-Probleme. Dem können Sie vorgreifen, indem Sie am Abend etwas gegen die Schmerzen einnehmen. Das sollte sich innerhalb der nächsten zwei Tage gebessert haben.“ Mit einer Unterschrift bestätigt man, dies zur Kenntnis genommen zu haben.

„Ich habe keine Angst, nein ...“
Dann folgt der große Stich: In der Piks-Box werden Einweg-Handschuhe in Dauerschleife gewechselt. „Der Nächste, bitte!“ Wieder tritt eine Person in einer der 40 Kabinen mit Vorhang ein. Derzeit sind nur 20 davon im Einsatz. „Es ist nicht zu wenig los, sondern wir haben alles gut eingeteilt, sodass hier keine Staus entstehen. Wir wollen ja auch nicht haben, dass wir hier Krankheiten übertragen“, so Drapalik. Ruhig und unaufgeregt stülpt sich eine Pensionistin das Oberteil über ihren linken Arm und macht Platz für die Spritze. „Ich habe keine Angst, nein. Es kann überall was passieren. Warum soll der Impfstoff bei einer bestimmten Gruppe anders wirken?“, erzählt sie krone.tv. Danach wird 15 Minuten lang gewartet, ob mögliche Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen eintreten. Mittels mehreren großen Flachbildfernsehern werden Countdowns abgebildet.

Väter, Lehrer, Pensionisten scheinen zufreiden
In der Riesen-Wartezone treten keinerlei Komplikationen auf: „Ich bin Angehöriger einer Schwangeren, deswegen hat sich für mich nicht die Frage gestellt, ob ich mich impfen lasse oder nicht“, so ein junger Mann. „Ich habe keine Symptome und spür gar nichts“, erklärt ein anderer. Und: „Mit den 15 Minuten kannst du dich erholen“, scherzt er. Es scheint, als würden die Sorgen nach der Impfung verblassen. So erzählt eine Dame: „Ich war aufgeregter als bei einer normalen Impfung. Ich bin aber positiv eingestellt, dass es jetzt klappen wird, das Ganze.“ Ein anderer: „Es ist zugelassen, es ist geprüft, Nebenwirkungen sind wahrscheinlich, aber ich weiß nicht, was die Alternative dazu wäre." Eine junge Lehrerin lobt das Management. „Als Lehrerin lässt sich der Kontakt nicht immer eingrenzen, da ist jetzt ein bisschen Sicherheit gut, auch wenn es die Vorsichtsmaßnahmen nicht ersetzt.“ Ihr Resümee: „Bin voll zufrieden, das hat gepasst.“

Dr. Drapalik nutzt das Interview auch, um auf die Impfanmeldung hinzuweisen sowie für einen Aufruf, um neue Mitarbeiter anzuwerben. „Wenn Sie helfen wollen, melden Sie sich unter krisenhilfe@samariterbund.net für die Teststraße und zum Impfen. Wir werden auch in Zukunft viel mehr Personal benötigen.“

Angst vor Nebenwirkungen beim kommenden Impftermin
Szenenwechsel. Im berühmten Sozialbau Alt-Erlaa verfolgt Helmut Mayerhofer mit seiner Frau die „Zeit im Bild“. Der Pensionist hat Angst vor dem bevorstehenden Impftermin mit AstraZeneca, trotz beruhigender Studien. „Ich und viele meiner Freunde haben Angst vor diesem Impfstoff, nicht wegen der Wirksamkeit, sondern weil wir Monate warten müssen auf die zweite Teilimpfung, und wegen der schweren Nebenwirkungen. Wenn man sich die bei alten Menschen vorstellt, die so oder so nur mehr mit Schmerzmitteln und wöchentlichen Besuchen beim Orthopäden auskommen müssen, ist die Angst nicht unberechtigt ...“

Ein normales Leben beginnt für Mayrhofer erst nach der Zweit-Impfung: „Bis dahin habe ich kein Interesse, irgendwo hinzugehen. In kein Kaffeehaus - auch wenn’s freigegeben wird. Kein Interesse, in den Urlaub zu fahren. Es gibt einen Unterschied, ob ich das alles nach Wochen oder erst nach Monaten wieder machen kann.“

Dann stoßen die beiden mit ihren Wassergläsern auf eine gemeinsame Zukunft an. „Auf die Impfung!“

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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