Influencer im Gespräch

Gegen Schönheitswahn: Persönlichkeit vor Aussehen

Bis zu 70 Prozent der Mädchen sind mit ihrem Körper unzufrieden. Dafür verantwortlich sind unter anderem Ideale, die über soziale Medien verstärkt werden. Dass weiß auch Influencerin Dzeni alias inspiredbydzeni (27) aus Steyr: „Ein sympathischer Charakter ist viel mehr wert!“ Darauf aufmerksam macht aktuell auch eine „Anti-Bodyshaming“-Kampagne im Internet - siehe Fotos oben.

„Krone“: Mehr als 250.000 Follower auf Instagram, Sie verdienen damit ihr Geld. Aber wie viel Dzeni steckt tatsächlich in Ihren Posts?
Dzeni: Ich habe einen Prozess auf Social Media durchgemacht, bin seit mittlerweile fünf Jahren sehr aktiv. Ich muss zugeben, dass ich das Gefühl habe, dass ich durch Social Media meine Identität verloren habe. Ich wollte es der Community oder den Unternehmen recht machen und habe mich darin verloren. Weil man durch Vergleiche oft das Gefühl hatte, dass man nicht gut genug ist. Man präsentiert sich viel mehr als jemand, der man sein möchte, aber nicht unbedingt ist. Ich weiß nicht, ob ich im Internet jemals zu hundertprozentig ich selbst sein kann. Dafür ist das ganze viel zu oberflächlich.

„Krone“: Haben Sie auch einmal negative Erfahrungen gemacht?
Dzeni: Bei mir ist das eine andere Form von Bodyshaming. Ich war immer zufrieden mit meinen Körper, wurde dann aber oft nur auf mein Aussehen reduziert. Man wird dann immer in die eine Schiene gedrückt. Ich habe mich nie für meine weiblichen Rundungen geschämt, aber es nie verstanden, warum sie mir oft zum Nachteil in Sachen Jobs wurden.

„Krone“: Studien zeigen, dass 40 bis 70 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren mit zwei oder mehr Bereichen ihres Körpers unzufrieden sind. Was geben Sie solchen Mädchen mit auf den Weg?
Dzeni: Wichtiger ist an der mentalen Stärke zu arbeiten, als am Aussehen. Ein sympathischer Charakter ist meiner Meinung nach viel mehr Wert. Wenn man humorvoll, respektvoll und freundlich ist, steht das Aussehen an der zweiten Stelle. Leider ist es im Internet oft umgekehrt.

„Krone“: Als Influencerin haben Sie vor allem für Jüngere eine Art Vorbildfunktion. Wie gehen Sie damit um?
Dzeni: Wenn man als Teenager auf der Identitätssuche ist, können soziale Medien zur Gefahr werden. Es macht keinen Sinn sich mit jemanden anderen zu vergleichen. Man muss sich darauf konzentrieren, was man selbst kann und wichtig, man muss nicht jedem gefallen. Deswegen ist es mir wichtig, bewusst mit dem Thema umzugehen. Ich schaue mir selber oft Leute an, die einem Ideal entsprechen. Wenn ich aber merke, dass mich das selbst fertig macht, ,entfolge‘ ich denen auch wieder.

„Krone“: Oft ist auf Social Media alles schön inszeniert.
Dzeni: Influencer oder Blogger sind Berufe. Bilder werden im Anschluss bearbeitet, da steckt ein ausgearbeitetes Konzept dahinter. Man muss sich einfach bewusst sein, dass der Schönheitswahn oft nur Verkaufsstrategie ist.

Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
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Donnerstag, 15. April 2021
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