24.02.2021 06:00 |

Ärger über Strategie

96-Jährige muss für Impfung extra nach Wien fahren

Ein Wiener, der seine 96-jährige Mutter in der Oststeiermark pflegt, muss für die Corona-Impfung in die Bundeshauptstadt fahren. Der Impfplan sieht nur „Jaukerl“ für Menschen mit steirischem Hauptwohnsitz vor.

Die Impfstrategie in unserem Land hat offensichtlich ihre Tücken, aber nicht nur das „Wann wer drankommt“ ist häufig in der Kritik - auch das „Wo“ wirft durchaus Fragen auf.

Herbert K. (77) aus Wien ist jetzt keiner, der sich vordrängelt - er wartet, bis er an der Reihe ist. Hofft aber, dass das bald ist, denn „ich pflege meine Mutter, die schon 96 Jahre alt ist, und schaue auch auf meine Frau, der es nicht so gut geht. Und ich bin selbst gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe.“ Um die Mama zu sich nehmen und gut versorgen zu können, ist man mit Sack und Pack zu Beginn der Corona-Welle zum Nebenwohnsitz in der Oststeiermark gefahren.

„Fühlen uns hier sicherer als in Wien“
Und hat ihn seither nicht verlassen. „Auch, ich gebe es ehrlich zu, weil wir uns hier sicherer fühlen als in Wien, was diese Krankheit betrifft. Und wir sind zum Glück davon auch verschont geblieben.“ Auch hat man aus 40 Jahren, in denen man immer wieder in weiß-grünen Gefilden weilte, gute Freunde, „auf die man sich im Notfall verlassen kann“.

Und dann das: Weil der Wiener das Trio für die Impfung in der Steiermark angemeldet hatte, aber keine Bestätigung bekam, fragte er nach. Die Antwort: Man müsse sich am Hauptwohnsitz impfen lassen. Seine Nachfrage beim Impfkoordinator unterstrich diese Auskunft der Gemeinde.

„Ist doch egal, wo man die Impfung kriegt“
„Wie stellen sich Entscheidungsträger so etwas in der Praxis vor?“, ist der Wahlsteirer verärgert. „In unserem Fall hieße das: Ich müsste mit einer 96-Jährigen, die auf den Rollator angewiesen ist, und meiner Gattin für die Impfung nach Wien fahren. Zweimal sogar. So etwas ist doch eine Schikane. Noch dazu, wo man die Impfung ja nur einmal in Anspruch nehmen kann, was über die E-Card leicht nachvollziehbar ist. Da ist es doch egal, wo man sie kriegt.“

Impfkoordinator Michael Koren sieht das nicht so: „Im Moment geht das nur am Hauptwohnsitz, weil das die einzige Kontrollmöglichkeit ist.“ Auch Ausnahmen, wie in so einem Fall, könne es derzeit nicht geben. „Davon sind ja etliche betroffen, ich habe auch einen Mann aus Deutschland hier, der seit 25 Jahren in der Steiermark lebt, das geht auch nicht.“ Gute Nachrichten kündigt er aber für jene Familien an, die eine 24-Stunden-Pflegerin aus dem Ausland haben. Koren: „Wir sind dabei, ein Projekt dafür zu erarbeiten, dass die Damen hier geimpft werden können.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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