12.10.2004 16:05 |

WWF-Erfolg

Weißer Hai unter Artenschutz

Die Umweltstiftung WWF jubelte über den "Freudentag für Meerestiere". Der Leiter der deutschen Delegation bei der 13. Artenschutzkonferenz in Bangkok, Jochen Flasbarth, sprach am Dienstag von "riesengroßen Fortschritten für den Artenschutz im Meeresbereich". Nun bleibt nicht nur gegen den Willen Japans der Handel mit Walfleisch verboten. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sich die Delegierten mit deutlicher Mehrheit auch noch für den weltweiten Schutz des Weißen Hais aussprechen. Der gefürchtete Jäger war wie viele andere Haiarten in den Weltmeeren längst zum Gejagten geworden.
Wenn künftig erstmals strikte Handelsbestimmungenfür den Weißen Hai unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen(CITES) gelten, lässt das Umweltschützer auf eine Erholungder Bestände hoffen. "Damit bekommt man die gezielte Jagdin den Griff", sagt der WWF- Artenschutzexperte Volker Homes."Woran man jetzt noch arbeiten muss, sind Dinge wie der Beifang."Denn jedes Jahr verenden zahllose Haie in den Netzen von Fischern,die es eigentlich auf andere Meeresbewohner abgesehen haben. Schätzungenzufolge sterben jedes Jahr bis zu 100 Millionen Exemplare dereleganten Räuber durch den Menschen. Die NaturschutzorganisationWildAid spricht sogar von einer "globalen Hai-Krise".
 
Hai-Häppchen heiß begehrt
Der Schwund hat Gründe: Das Gebiss eines WeißenHais bringt auf dem Schwarzen Markt mehrere zehntausend Euro,einzelne Zähne können bis zu 600 Euro kosten. BesondereSorge bereitet Naturschützern der Handel mit Haiflossen,der nach Angaben von WildAid in den vergangenen Jahrzehnten denWert eines gefangenen Räubers "astronomisch" in die Höhetrieb; ein einziger Teller der vor allem in Asien beliebten undbei besonderen Anlässen servierten Haifischflossen-Suppekann schon einmal mit 100 US-Dollar (80 Euro) zu Buche schlagen.Derweil weiß niemand, wie viele der Räuber es überhauptnoch gibt. Bekannt ist nur, dass sie sich sehr langsam vermehren.
 
Rätsel um Zwergwale
Auch die Höhe des Zwergwal-Bestands lässtForscher rätseln, sie gehen aber von einigen hunderttausendExemplaren aus. Als die Internationale Walfangkommission (IWC)vor rund 20 Jahren ein Verbot für die kommerzielle Waljagdaussprach, waren die Zwergwale schon die am stärksten gejagteArt im Nordatlantik und in der Antarktis. Auf der CITES-Konferenzin Bangkok scheiterte Japan nun zum sechsten Mal, die striktenSchutzbestimmungen für diese Walart zu lockern - trotz massiverLobbyarbeit und eigens eingeflogener Fachleute, die für denAntrag Japans Stimmung machen sollten. "Die Fischereiindustrieversucht ganz massiv, einen Keil hier reinzutreiben", sagt eineuropäischer Delegierter.
 
Nicht alle ziehen mit
Doch scheren sich einige Staaten nicht um das Walfangmoratoriumder IWC. Norwegen legte Widerspruch ein und jagt den Zwergwalnach einer selber festgelegten Quote. Rund 650 Tiere wurden sonach WWF- Angaben 2003 im Nordatlantik erlegt. Japan und Islandstellen dem Meeressäuger zu "wissenschaftlichen Zwecken"nach. "Die Zahl der getöteten Tiere steigt ständig",warnt die Umweltstiftung.
 
"Die Entscheidung zum Zwergwal war ein weiteresgroßes Signal, dass CITES Kurs Richtung Artenschutz hält",sagt der deutsche Delegationsleiter Flasbarth. "CITES zeigt Zähne",kommentiere WWF- Experte Homes die Beschlüsse zu den Meerestieren.Am späten Dienstagabend setzten die Delegierten in Bangkokdann noch einen drauf, wenn auch bei einer weniger spektakulärenArt: Künftig gelten auch für den Napoleonfisch strikteSchutzbestimmungen.
Donnerstag, 17. Juni 2021
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