11.01.2021 15:26 |

Nach Plagiatsaffäre:

Ausländische Abschlüsse müssen anerkannt werden

Nach der Plagiatsaffäre rund um die zurückgetretene Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) sind Abschlüsse von ausländischen Universitäten ins Gerede gekommen. Grundsätzlich gilt: Im europäischen Hochschulraum müssen Abschlüsse von Universitäten in Partnerländern anerkannt werden. Das regelt die Lissabonner Anerkennungsvereinbarung, bestätigte der Hochschulsektionschef im Bildungsministerium, Elmar Pichl.

„Man vertraut darauf, dass die anderen Partnerländer bei sich genauso auf die Qualität schauen, wie man selbst auf die Qualität im eigenen Land achtet“, sagte Pichl zur APA.

Uni bisher nicht negativ aufgefallen
Die im Zuge der Plagiatsaffäre zurückgetretene Aschbacher verfasste ihre Dissertation an der Slowakischen Technischen Universität Bratislava. Uni-Experten bestätigten auf Nachfrage, dass die Hochschule bisher noch nicht negativ aufgefallen sei. In der Slowakei gebe es durchaus eine Qualitätssicherung, die jedoch erst 2018 nach europäischen Standards neu aufgesetzt wurde.

Auf allen Seiten Plagiate, Vater als Gutachter
Erst kürzlich hatte es in der Slowakei einen Plagiatsfall an einer privaten Hochschule gegeben, wie - anonymisiert - im letzten Jahresbericht der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) nachzulesen ist. Dort schaffte es eine Wienerin mit einer Arbeit zum Doktortitel, die auf allen Seiten Plagiate aufwies. Als Gutachter fungierte zudem auch noch ihr Vater.

Unzureichender Plagiatscheck
Andere Uni-Vertreter sehen das „Ausweichen“ ins Ausland durchaus kritisch: Man müsse sich schon fragen, warum die Technische Universität Bratislava die Möglichkeit anbiete, eine deutschsprachige Dissertation zu schreiben, die in weiterer Folge von einer Plagiatssoftware überprüft wird, der lediglich slowakische Quellen zugrunde liegen.

Ganz grundsätzlich sollte man auch hellhörig werden, wenn im nahen Ausland Doktoratsstudien belegt werden, die nur wenige Kilometer entfernt in Österreich auch angeboten werden.

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