03.01.2021 08:38 |

Tournee-Favorit

„Vier normale Sprünge“ trennen Granerud vom Sieg

Halvor Egner Granerud schickt sich an, der Nachfolger von Anders Jacobsen zu werden und als erster Norweger seit 14 Jahren die Vierschanzentournee der Skispringer zu gewinnen. Zwar ist bei der Traditionsveranstaltung vor dem Bergisel-Springen am Sonntag erst Halbzeit, doch der 24-jährige Emporkömmling beeindruckt die Konkurrenz mit Stilistik und Konstanz. Auch Stefan Kraft legt sich auf Granerud fest - und ist selbst weiter zum Improvisieren gezwungen.

An Selbstvertrauen scheint es dem Tournee-Leader nicht zu mangeln. „Ich muss nur vier normale Sprünge machen. Die anderen müssen mich dann erst besiegen!“, tönte Granerud am Samstag. Wohlgemerkt: Nicht, nachdem er den 5000-Euro-Scheck für den Tagesbesten der Qualifikation entgegen genommen hatte, sondern davor.

Am Sonntag nimmt er in der Gesamtwertung zwei Meter Vorsprung auf den Deutschen Karl Geiger und die Erfahrung mit, erstmals in der Tiroler Landeshauptstadt gut gesprungen zu sein. Über Platz 21 ist er im Wettkampf bisher nicht hinausgekommen. Er selbst erinnerte im Anschluss auch daran, dass er in Innsbruck schon disqualifiziert wurde (2019) und den zweiten Durchgang verpasst hat (2017). „Deshalb freue ich mich sehr über die Leistung heute.“

Seinen Trainer Alexander Stöckl hat der fünffache Saisonsieger, dessen Serie just zum Tournee-Auftakt in Oberstdorf riss, längst als Fürsprecher gewonnen. „Halvor kann sich am besten auf die verschiedenen Schanzen einstellen. Er hat die Coolness, das durchzuziehen“, sagte der Tiroler Stöckl auch in dem Wissen, dass die Störfaktoren bei der coronabedingt ohne Zuschauer ausgetragenen 69. Auflage weniger als üblich sind.

Bis vor dieser Saison wurde Granerud vielerorts auf ein millionfach geklicktes Video im Internet reduziert: Er war der Typ, der in Oslo nackt von einer Schanze sprang und sich dabei auch noch filmen ließ. Der Schabernack ist im Springer-Zirkus längst kein Thema mehr, Granerud-Flüge werden derzeit trotzdem in Dauerschleife bestaunt.

„Er ist in bombastischer Form, es ist ein Genuss ihm zuzusehen. Das Beste, was es derzeit gibt“, urteilte Kraft. Für den bisher letzten österreichischen Tournee-Sieger (2014/15) läuft es sehr wahrscheinlich auf den insgesamt elften Sieg eines Norwegers hinaus. „Granerud haut einen Sprung nach dem anderen runter, es schaut alles sicher aus. Der hat die Nase vorne“, meinte Kraft.

Er selbst erfährt gerade am eigenen Körper, wie sensibel das Skispringen ist. Mit ein paar Kniebeugen wie früher ist es für das Spüren der Schanze nicht getan. „Ich habe vor einem Monat das letzte Mal eine Hantelstange angegriffen. Von dem üblichen Training, das ich sonst mache, bin ich meilenweit weg“, sagte Kraft, der im Vorfeld der Tournee erst von Corona und dann von offenbar langwierigen Rückenproblemen ausgebremst worden ist.

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