11.12.2020 14:14 |

„Fake“, „fahrlässig“

Test mit Cola: Experten zerlegen FPÖ-„Experiment“

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz hat wieder einmal für innenpolitischen Wirbel gesorgt. Nein, dieses Mal geht es nicht um die rechtsextremen Identitären, sondern um ein dubioses Corona-Experiment. Schnedlitz führte am Donnerstag im Parlament vor, dass der Test positiv auf Cola reagiere (siehe Video oben). Experten kritisierten diese Vorgehensweise scharf und sprachen von einer fahrlässigen „Fake-Vorführung“. 

„Der Test hat ergeben, dass der Corona-Massentest positiv auf einfaches Cola reagiert, allerdings wissen wir, dass das auch mit anderen Getränken und Lebensmitteln funktioniert. Hier wurden zig Millionen Euro beim Fenster hinausgeworfen. Steuergeld, das die Bevölkerung bezahlt und die Kurz-nahe Pharmaindustrie einsteckt“, sagte Schnedlitz im Parlament.

Schnedlitz: „Regierung bietet keine brauchbaren Tests“
Durch seine Vorführung sei für ihn klar, dass die Regierung keinen Plan, keine brauchbaren Tests und auch keine Lösungen biete. „Diese Regierung ist nur noch lächerlich. Die hohe Fehlerquote der überteuerten Tests bringt bewiesenermaßen absolut keinen Mehrwert in dieser Krise“, behauptete Schnedlitz.

Experten erklären Schnedlitz‘ Cola-Versuch
In den sozialen Medien wird die Aktion von Schnedlitz heiß diskutiert, Wissenschaftsexperten gehen mit dem FPÖ-General hart ins Gericht. „Sorry, solche Fake-Vorführungen sind labormedizinisch schwachsinnig“, schrieb etwa ein Mitarbeiter eines Laborinstituts auf Twitter.

„Traurig, wie billig hier versucht wird, Stimmung zu machen“
„Der Test besteht aus einem farbstoffmarkierten Antikörper. Ein Antikörper ist ein Protein. Cola ist durch Phosphorsäure sehr sauer. Diese Säure denaturiert (zerstört) das Protein und der Test zeigt positiv an. Ich hoffe, damit ist die Frage beantwortet“, stellte ein Biochemiker klar. Es sei traurig, wie „billig“ hier versucht werde, Stimmung zu machen. „Und ein kleiner Teil der Bevölkerung glaubt das dann. Echt fahrlässig", kritisierte der Biochemiker weiter.

„Peinliche Statements“
Eine Managerin des Unternehmens Dialab, von dem der Test stammte, sagte gegenüber der deutschen „Welt“: „Da wäre auch ein beliebiger Schwangerschaftstest positiv geworden. Bevor der Herr Abgeordnete solch peinliche Statements öffentlich macht, wäre es eventuell sinnvoll, sich davor, nur ein wenig, mit der Chemie zu beschäftigen.“ Zudem wiesen die Experten darauf hin, dass mindestens eine halbe Stunde vor dem Test nichts getrunken bzw. gegessen werden dürfe. 

Reimon: „Was macht man mit so jemandem?“
Hart ins Gericht mit Schnedlitz ging auch die politische Konkurrenz. „FPÖ-Abgeordneter tröpfelt am Rednerpult Cola auf einen Corona-Test und findet es skandalös, dass es eine Reaktion gibt. Ich mein, was macht man mit so jemandem? Auslachen ist ja auch keine Lösung“, schrieb der grüne Abgeordnete Michel Reimon.

ÖVP-Generalsekretär Alexander Melchior spottete über Schnedlitz: „Ich hatte die ganze Zeit gehofft, dass das kein Cola ist, sondern Bacardi-Cola. Das hätte sein Verhalten erklärt.“

Franz Hollauf
Franz Hollauf
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